Von Siebenschläfern, Merkel in den Bergen, Urschreien und anderem

Man reist und sagt ´Urlaub´, und darin schwingt Erholung, Entspannung, Entschleunigung und süßes Nichtstun mit, so quasi ein Nicht-Erleben an einem schönen Ort. Und dann war es halt doch mehr Reise als Erholung, und mehr Neu als Nicht-Erleben. ein Trip ins Unbekannte voller Herausforderungen , und der Ort WAR wunderschön, und er barg seine Abenteuer. Und so sollte es auch sein – erholen kann man sich zuhause auf dem Sofa wieder!

Die ersten Tage teilten wir das Haus mit einer Freundin mit Kind, und schon alleine diese Kombination ist neu und bedurfte Übung und Diplomatie. Keine Ahnung, wie gut es derzeit um mein diplomatisches Geschick  bestellt ist. Wir kamen so durch, und alle hatten, momentanen Befindlichkeitsstörungen zum Trotz, eine gute Zeit. Denke ich mal. Das muss genügen.

Manche Themen verfolgen einen ja wie Schnaken in der Abenddämmerung – Standarts und Hygiene. Als ob es im Job nicht genügte. Herrje. Was soll´s – ein bisschen Staub hier, ein paar Spritzer oder Kalkflecken da – ein verlassenes Bergdorf ist kein Ferienresort und unser Haus nicht wie vom Superhost bei Booking.com. Auf dem Balkon – linkss thronten die Berge über, rechts strahlte Chiavenna golden unter mir – vergaß ich sowieso Raum und Zeit und fühlte mich wie im Fünf-Sterne-Hotel. Das Haus gehört Freunden, die es in Ferien und Urlauben renoviert haben, und die es netterweise eben mit Freunden und Bekannten teilen. Den Roomservice besorgt jeder selbst. Wir waren ein bisschen beschäftigt bis alle zufrieden sein konnten.

Der Nachbar aus der Stadt unten, der ins Dorf hochkommt in seine Datsche, erzählte, die tropische Schwüle sei neu. Klimawandel und so. Wir wurden eingeladen auf einen Sekt für mich und Eis für die Kinder, und ich erfuhr, dass man sogar hier Merkel für alles Ungemach in der Welt verantwortlich macht.  

Danke Merkel. Arme Angela. Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das mal noch schreibe.

Neuerdings gucken wir zuallererst ins Klo, und Martha sagt ´ist niemand drin´, und dann erst setzt sie sich. Und hinterher Deckel runter! Nie vergessen! Nie nie nie!  Zu präsent ist uns das Siebenschläferkind, das wir zuerst, als nur die Nasenspitze rausguckte, für eine Ratte hielten, weil´s für eine Maus zu groß war. Aber der Schock wich schnell dem Mitleid, da saß kein gefährliches Beißtier, das uns mit Viren und Krankheiten torpedieren wollte, sondern ein kleines Wesen in schockschwerer Not. War wohl auf der Suche nach Wasser hineingeplumpst. Die pure Verzweiflung  blickte da aus der Schüssel, unmöglich, nicht davon berührt zu sein. Und wenn es hundertmal eine Ratte sein sollte –  es war eine Ratte in Not.  Die lange Hose angezogen,  Boots und Jacke, im Keller nach Handschuhen gesucht, einen Stock und eine Schaufel mitgenommen. Und die Taschenlampe.  Das Tierlein schien zu schwach oder es steckte fest – am Stock jedenfalls konnte es sich nicht heraushangeln. Also doch die Schaufel. Und es legte sich darauf und ließ sich rausheben, und sank schlaff  auf den Boden, und der Schwanz war buschig, nicht nackt wie bei einer Ratte, und also war es ein Siebenschläferkind, ein furchtbar erschöpftes.                      Reglos lag es am Türrahmen; ich verstand´s – das war ein Schock;  es würde erstmal  Ruhe brauchen. Stunden später aber sah ich es im Schein der Taschenlampe zitternd im Grass liegen.  Oh je. Das sah nicht gut aus. Und also nahm ich es hoch, wickelte es in ein Handtuch und legte es in der Dusche auf den warmen Holzboden. Da sollte es entweder ein sanftes Ende oder aber Erholung finden. Ob wir es mit heim nehmen sollten? Auf dass es ein Heim fände in der Kommode, die eigentlich für Ratte Rosi gedacht war? Wir könnten Steine und Äste mitnehmen und Höhlen bauen, und im Herbst Nüsse und Kastanien sammeln und Bucheckern.   Am nächsten Morgen hatte sich die Frage erübrigt – es war nicht mehr da. Vielleicht hat es sich erholt und ist heimgekehrt zu seinen Lieben? Wir hoffen es inbrünstig.

Immerhin hat es sich das schönste stille Örtchen ausgesucht, das wir kennen. So sehr gefiel es uns, dass wir es bisweilen bewohnten wie ein Wohnzimmer. Nachts, wenn kein Kind mehr alleine aufs Klo geht, zogen wir gemeinsam in kleiner, eingeschworener Kolonne durch den schwarzen Garten hinab, Anton, Martha und ich, und jeder trug eine Taschenlampe, wenigstens einer von uns einen Stock. Falls doch wieder der Fuchs vor uns stehen würde, der vermutlich mehr Angst vor uns hatte als wir vor ihm, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – so fühlten wir uns sicherer. Und es machte auch mehr Spaß. Den Garten ausgeleuchtet wie Sherlock Holmes eine alte Burg, die Türklinke gedrückt – leicht anheben, sonst klemmt´s – schnell rein und Türe zu. Einer führte durch die Sitzung, die anderen fläzten in Klappsesseln vor der Felswand, und so richteten wir im Geiste weiter ein und bauten aus. Ein Königreich von einem Örtchen.                           

Baden am Lago di Mezzola, und dolce vita im Fluss am Wasserfall. Es war sonnig und heiß, und Familien machten Picknick, und Kinder tauchten unter den Kaskaden, und das Wasser blitzte und funkelte, der Wasserfall rauschte betörend im Hintergrund – da war kein Halten mehr – da musste man rein, und sei´s mit Kleidern.  Was ein Spaß! Nie war Planschen schöner. Und hindurch getaucht unter einer Kaskade, hinterm Vorhang aus Wasser kniend, da schrie´s die Freude laut heraus. Dafür allein lohnte die Reise.

Auf dem Heimweg ein Besuch bei ehemaligen Nachbarn in Oberndorf am Lech. Würd´s einen normal nie hinverschlagen, eine Ebene im Krater Donau-Ries, der Meteorit lässt sich noch erahnen. Ein Schlafdorf, in dem kaum jemand unterwegs ist, ein stilles Dorf, lauter kleine Wohnidyllen, manche akkurat angelegt mit Kies ums Haus, gestutzten Buchsbäumchen und Wimbledonrasen, Trampolin nicht zu vergessen, manche wild verwachsen, mit Sonnenblumen und alten Zwetschgenbäumen und wenn´s Platz hat, sogar mit Pferdestall. Die Anwesen sind groß, ein jeder darf sich ausbreiten. Arzt und Apotheke gibt es nicht, aber einer bietet Männerseminare an, mit Urschrei und so, eine andere Yoga/Meditation und Lebensberatung, im Dorfladen, der mit viel Bio und Regional glänzt, liegen Flyer aus für Biodancekurse, der neueste Hit aus Irgendwo, von wegen der inneren Mitte, dem eigenen move und groove und so, und die Wirtin unserer Pension, die mein mitgebrachtes Treibholz im Kofferraum entdeckt hat, erzählt von Waldwächtern, (von denen sie einen gefunden hat – er steht als Baumwurzel im Flur des unteren Gästetraktes), die man um Erlaubnis bittet, bevor man den Wald betritt. Großartig! I love it. Wie prosaisch kommt mir Rottweil vor dagegen. Und es wundert mich auch gar nicht mehr, mit welchem Gleichmut alle hinnehmen, dass das Dorf seit Monaten aufgerissen ist und es für mindestens genauso lange noch sein wird: immer wieder hebt ein Bagger einen Graben aus, macht irgendwas, schüttet wieder zu, dasselbe am anderen Tag an anderer Stelle, um Wochen später zurückzukommen und da weiterzumachen, wo er schon mal war, und keiner weiß, wenn er morgens das Haus verlässt, ob er abends wieder gleich reinkommt.

Oberndorf am Lech. Echt eine Reise wert. Wer hätte das gedacht.

Eine tolle Reise war´s. Viel erlebt, es schön gehabt. Und dann Heimkommen. Daheim sein. Wir verlassen die Bude auf Tage hin so gut wie nicht. Mei is des schee.

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Summertime

and the living is easy

Ich liebe den August, in dem das Leben so innehält. Viele sind verreist, die Stadt ist manchmal wie leer gefegt, die Grillen zirpen bis in die Gassen hinein, und in der Hitze wird alles langsam und träge, und ein wenig besinnlicher.

Sommer. Die schönste Zeit des Jahres. Und mehr als an Silvester geht es im Sommer um Ende und Neuanfang. Schulkarrieren beginnen oder hören auf, Studien und Ausbildungen fangen an, man nimmt den einen, großen Jahresurlaub, und es gilt als Pflicht eines jeden ordentlichen Arbeitnehmers, alles, alles zu tun, was gut tut, nur ja nicht an den Job zu denken. Abstand! heißt die Parole.

Wunderbar.

Ende und Anfang auch bei uns.  Ein paar Leute sind weggezogen oder haben unsere Umlaufbahn anderweitig verlassen. Unser Sonnensystem sortiert sich neu.  Es werden neue Mieter ins Haus ziehen, mit Kind, was klasse ist,  wir werden eine Ratte haben, sie soll weiblich sein und aller Wahrscheinlichkeit  nach Rosi heißen und in einer ausrangierten Kommode wohnen. (Für Tipps, wo man eine solche Rosi herbekommen könnte, sind wir dankbar).  Und ich will endlich regelmäßig ins Aikido und mal blicken, wie´s geht.  Und der Verschlag auf dem Speicher wird ausgemistet werden.  Bestimmt!

Aber davor verreisen wir. Die Wunde der Kleinen heilt, die Fäden werden bis dahin hoffentlich gezogen sein, die Koffer stehen bereit. Cranna. Norditalien. Bei Chiavenna, der erste größere Ort nach dem Splügenpass. Letztes Mal ist der Große dort den Berg hochgerannt.  Ich wundere mich heute noch, wie er das geschafft hat. Wir könnten diesmal ein Wettrennen machen; ich werde verlieren, so viel ist sicher, aber wenigstens weiß ich dann, worum es geht. Wir werden in der Hängematte liegen bis der Hintern vom Liegen weh tut, wir werden unter Wasserfällen baden  und in Maronenwäldern wandeln. Wir werden Pizza essen und Rotwein trinken , ich zumindest, über Märkte schlendern und so gut wir können dolce vita genießen.

Und so sitz ich und träum und bin im Kopf schon dort, und mein Blick wandert aus dem Fenster  hoch zum Hochturm und wieder zurück zum Koffer und fällt dabei  auf die Maske aus Nepal, die missbilligend auf mich niederblickt.  Wie ein Turban sitzt eine Schlange darauf  und züngelt von oben herab.  Daneben zwei balinesische Schnitzereien, filigrane Gesichter, die mehr mit sich selbst als allem anderen beschäftigt sind, auf dem Kopf tragen sie kleine Pagoden. Schiller ist ernst wie immer, und die Narren warten auf acht Uhr (für Nicht-Eingeweihte: um acht Uhr in der Früh beginnt in Rottweil der Narrensprung).  Und ich starre auf sie, und sie ignorieren mich, und es kommt mir vor  wie  früher, als ich lauschte, wann die Tür ins Schloss fiel, ´sturmfrei´, und ganz genau so warten sie jetzt – ´wann gehen sie´ – und kaum sind wir weg, da werden sie zu neuem Leben erwachen. Und die Schlange umschmeichelt Schiller, der winkt lässig ab; der dichtet Versuchung, er erliegt ihr nicht.  

„In den öden Fensterhöhlen/Wohnt das Grauen/Und des Himmels Wolken schauen/Hoch hinein“.  Es wabert im Giebel. 

Schiller schielt ungerührt auf die Balinesen, aber die interessieren sich nur für sich selbst.  Meines Bruders Büste blickt souverän und dezent amüsiert von oben herab; er wartet ab, was geht und mischt dann später mit. Die nackte Frau darunter aber setzt sich sofort auf und geht rüber zu den  Narren, und die geraten völlig außer sich, ihre Schantle-Schirme verheddern, und alle eilen völlig verwirrt in das mystische Südseeparadies nebenan.  Verirren sich dahin. Die Schemen aus Mutters Bürobild kommen hinzu, und der nackte, liegende Mensch dreht sich endlich mal auf den Rücken. Das Schwarzwaldmädel verliert im Gewimmel seinen Hut, und der sonst übliche arrogante Gesichtsausdruck entgleist. Und am Ende ist´s ein heilloses Tohuwabohu und alle sind aus dem Rahmen gefallen und keiner weiß mehr, wo er hingehört.  Und sie rasen durch die Wohnung, reißen Sockenpaare auseinander und verteilen alte Zeitungen auf dem Fußboden, der Schreibtisch wird noch unordentlicher als sonst, und dann gucken sie, ob noch was im Kühlschrank ist, oder noch Gin zum Tonic im Haus.

Ob ich daheimbleiben sollte?

Vielleicht hat mir auch nur der letzthin gesehene Film – ´Nachts im Museum´  – nicht gutgetan.

Ich brauche Urlaub!

Balkongespräche

Ich sitze in der Stadt, still und nichts tuend, und kann nicht anders, als ein Gespräch mitzuhören, das nebenan stattfindet, wo offenbar eine kleine Balkonparty stattfinden soll, die aber deutlich Start – und offenbar auch andere Schwierigkeiten hat.

Es geht ausgiebig um ´was es wo zu kaufen gibt´, über Malle und einen Urlaub in der Türkei, den der viel sprechende junge Mann, Sohn der Gastgeberin, im letzten Jahr erlebte. Beschwert hat er sich dort, weil es Risse in Fließen gab und irgendwas tropfte, und auch sonst  war es „gar nicht vom Feinsten“ und „Luxus pur“, wie er das von 5 Sternen doch erwartet hatte. Und ich denke, ´hey Mann – türkische Sterne! Mit türkischen Standarts´. Worüber regt er sich denn auf? Er erzählt von Pool, Bar, gedecktem Büffet und Meer vor der Haustür, alles zusammen zum Schnäppchenpreis. Daheim ist man doch auch kein Krösus. Wo also liegt das Problem?

Im Verständnis!

Über die Klimaschützer regt er sich auf. Da wird er richtig brutal.  Die will er alle tot sehen. Die hiesige Gastronomie regt ihn auf; ´Bruchbuden´, ´Absteigen´, ´Löcher´ , findet er, sind´s.  Wohlgemerkt,  ein Hochwohlgeborener und Besserverdiener spricht da nicht, sondern einer mit ganz banaler Maloche. Und dann natürlich Merkel. Über DIE muss man sich RICHTIG aufregen. Die muss weg, und mit ihr alle ihre Kumpanen, und auf jeden Fall die, die sie ins Land gelassen hat, und alle, die irgendwann mal irgendwas gut fanden von ihr.

Und immer wieder geht´s um die Gäste, die eingeladen sind und nicht kommen oder zu kurz bleiben. Man sitzt zu viert, gedeckt ist für ein Dutzend und mehr. Die Party ist ein Flop.

Und das ist das Einzige, das mir an dem unfreiwilligen Lauschen gefällt.

Ist doch tröstlich, wenn manch ein Blödsinn und manch eine Rohheit allein steht.  Wenn dann die Gäste wegbleiben.

In eigener Sache

Ich bin satt. ´Ist ne Menge nicht so toll gelaufen in letzter Zeit. Aber was soll´s. Das Leben geht weiter. Also raus und auf zu neuen Taten.

Gestern in der Stadthalle gewesen. Die Stadt lädt ein,  die Agenda 2030 steht an, „Rottweil. Gemeinsam. Weiter. Denken“. Und irgendwie purzeln die Buchstaben ziemlich durcheinander. Wer dort war, weiß, was ich meine: eine große Leinwand, darauf der Slogan, und daneben fallen die Schlagworte in großen bunten Buchstaben  wie Wackersteine nieder. Mir wird jetzt noch ganz blümerant.

Die Veranstaltung selbst war ganz gut. Fand ich. Man konnte seine Wünsche auf bunte Sticker schreiben und auf eine am Boden ausliegende Luftaufnahme – die war toll! – kleben. Oder wahlweise, wenn die Karte voll war, oder man den Wunsch nicht einem Ort zuordnen konnte, auch auf eine der Stellwände. Jede Stellwand ein Thema/eine Kategorie, jede Kategorie eine Farbe. Mir ging es wie meiner Tochter – ich wollte jede Farbe wenigstens ein Mal benutzt haben.

Was mich einzig stört, ist die Zahl. 2030.  

Was ich will, will ich jetzt.

2030 – das ist ja noch weiter als 2028, diese andere Jahreszahl, das Jahr der Landesgartenschau, die Zahl, der sich jetzt schon alles unterordnet.

Ich habe nichts gegen die Landesgartenschau. Und auch nichts gegen die Hängebrücke, den Turm, ein Amphitheater, einen Neckarstrand, die Touris, all das. Aber ich habe jetzt zwei kleine Kinder, und ich wohne jetzt in der Stadt.

Und es war diese Woche, Dienstag, dass wir am Mädelesbrunnen zum Picknick verabredet waren. Der Mädelesbrunnen ist an so einem brütend heißen Sommertag, wie der Dienstag einer war, der nahezu perfekte Ort. Das Blätterdach zwar nicht ganz geschlossen,  aber weit genug, es gibt immer Schatten, und die Sonne kommt auf Umwegen. Der Brunnen schmuck, und flach, und kühl – und versifft.

Auch Ärsche mögen schöne Orte. Ob Mädelesbrunnen oder Kriegsdamm, Nägelesgraben oder der Brunnen am alten Spital – Kippen, Scherben, Müll, Flaschen und nur deren Hälse.

Natürlich, man kann sagen, man muss da nicht sein. Aber keiner von uns hat an diesem Abend den Nerv weiterzuwandern, zumal die Hoffnung, anderswo einen Platz mit ähnlichen Qualitäten, bloß sauberer,  zu finden, mager ist. Dieser Platz ist unser Pool, unser Trampolin im Garten, Baumhaus und Versteckspielwiese. Dies ist Nachbarschaft und im Sommer verlängertes Wohnzimmer.

Und wenn ich auch Eltern bewundere und beneide, deren Kinder einem „aber nur die Füße!“ oder „nicht nass machen!“ folgen – bei meinen funktioniert das nicht, egal, wie gut die Argumente sind, egal, wie vehement mein ´Stop!´. Nach den Füßen kommt der ganze Rest, und trocken sind am Ende nur die Schuhe, die draußen geblieben sind.  Die man hätte anziehen sollen, was man nicht tun wollte.

Wohlgemerkt, es sind liebe, brave Kinder. Nur übermütig halt, und lebhaft.

Ich gehe den Brunnen ab, warne vor den Scherben, die an einer Stelle draußen liegen, nach drinnen guck ich da leider gar nicht – an dieser Stelle sind sie nämlich auch drin – ansonsten sehe ich nur nicht eben appetitliches, aber ungefährliches Zeug – und wende mich, müde von so allerhand, dem Picknick zu. Und so gehen Übermut und Vertrauensseligkeit, Gelassenheit und Müdigkeit, und eben assige Arschlochmässigkeit eine verhängnisvolle Allianz ein. Das Picknick findet statt, und auch das Planschen – bis die Kleine in eine zerbrochene Flasche tritt, sich quasi im Aussteigen mit dem eigenen Körpergewicht darauf drückt – schreit – und nicht mehr aufhört.

Danach das ganze Programm. Schreien und blutdurchtränkte Geschirrtücher. Ein Notruf. Blaulicht und Martinshorn. Eine Fahrt im Krankenwagen zur Notaufnahme in der Heliosklinik. Dort ein Arzt, der fragt, was geschehen ist. Das ist vermutlich ein so ein Punkt, den er abarbeiten muss, weil es im ´Standart´ festgeschrieben steht, jener fixen Tätigkeitsabfolge, an die man sich zu halten hat, ob es Sinn macht, oder nicht. Hier macht es keinen Sinn.  Denn der Arzt versteht weder Deutsch noch Englisch, was die Krankenschwester dazu zwingt, das Geschehen aufzumalen.

Das Mädchen schreit derweil und blutet.

Das soll nun keine Beschwerde sein. Das gesamte Personal der Notaufnahme war kompetent und tat sicher sein Bestes, und auch dieser zuständige Arzt hat seinen Beruf ganz bestimmt mit den hehrsten Motiven und der allergrößten Motivation ergriffen und seinen Abschluss mit Bravour gemeistert. Aber so platziert kann auch der Allerbeste nicht sein Bestes geben. Und das ist nicht seine Schuld. Ich verstehe nicht, weshalb ein Gesundheitssystem eine Aktiengesellschaft sein muss, die auf Gewinnmaximierung angelegt ist.  Die die Ärzte dort einkauft, wo sie billig sind.

Irgendwie verlieren wir alle. Das Kind will nicht genäht werden. Der Arzt kommt nicht zu Potte.  Aber was sein muss, muss sein, zur Not mit Vollnarkose. Dazu aber fehlt es hier an Kapazität, wir werden nach Villingen gebracht.

Stunden auf der Notaufnahme dort.

Wir sitzen im Gang, die Kleine mittlerweile im Rollstuhl, das Tuch unter ihr ist blutrot. Irgendwann wird es nicht mehr, und sie lässt sich in den Schlaf singen. Und ich sitze und staune. Ich bin mitten drin.

Ich stelle mir vor, es braucht schon eine ziemliche Kuttel und eine nicht zu knappe Portion Fatalismus, um hier zu arbeiten und sich dies über einen längeren Zeitraum hinweg zu geben. Ein langer Gang voll Drama und Trubel. Ein Gang, der vollsteht mit belegten Liegen und besetzten Rollstühlen auf der einen Seite, und allerhand Gerätschaften und Computertischchen auf der anderen. Und sehr viel spielt sich eben hier, in diesem Gang ab. Breite Schiebetüren mit Warnschildern weisen in Schockraum 1 bis 5 und in Behandlunsgzimmer 1 bis WeißderKuckuck.  Und zwischen Schockraum und normalem Behandlungszimmer ein Treiben wie im Film. Alle tragen Blau und eilen umeinander, rufen sich zu, die Patienten dazwischen, sie sind die Statisten im Film. „Hast du Herr X gesehen? Ist schon jemand bei Frau Y?“. Mappen rutschen von einem hohen Stapel auf den Boden, werden aufgehoben, rutschen wieder, werden wieder aufgehoben, wieder, und wieder. Der Stapel ist zu hoch, der Tisch zu klein. Manchmal wird jemand vom Gang in einen Raum geschoben, Schockraum oder kleineres Behandlungszimmer. Ich halte mein Mädchen fest, damit sie nicht vom Rollstuhl rutscht. Es tut mir im Rücken weh. Die Unterlage ist auf den Boden gefallen. Es kommt ein ´echter´, weil dringender, unaufschiebbarer Notfall; ein 18Jähriger, der einen Motorradunfall hatte, mit Notarzt, mit Sauerstoffmaske; die Leute vom OP kommen in Grün und voller Montur dazu. Schockraum 1. Eine Mutter mit Säugling weint. Das Baby hat sich verschluckt und aufgehört zu atmen. Aber da schreit es, und also lebt es. Die Mutter heult grad weiter. Ich tät sie gerne in den Arm nehmen. Ich kann´s so gut verstehen.

Am Ende wird der Fuß genäht. Bei örtlicher Betäubung. Mein Mädchen schreit und heult und tobt, und ich halte den gesunden Fuß, damit der nicht den Arzt tritt, der die Nadel führt.

Irgendwann ist zu, und ich trage sie raus, von dem ganzen Sedativum ist sie schlabbrig wie Gummi und kaum zu halten.

Jetzt heißt es hoffen, dass die Wunde gut heilt und die Fäden gezogen werden können bis zum Tag unserer geplanten Abreise. Wir wollen in die Berge.

Tags darauf auf dem Rathaus angerufen. Der Mann war nicht unnett, durchaus nicht. Und humorvoll. Sie haben 50 Brunnen zu versorgen. Und sie kümmern sich halt erst um die touristisch relevanten. Als wäre die Stadt ein Freilichtmuseum. Im Übrigen würde ER Vodka nur noch in Plastikflaschen verkaufen. Und was das Spielen im Wasser angeht – irgendwann wird sicher ein Wasserspielplatz gebaut, spätestens bis zur Landesgartenschau. Für meine Kinder ist das zu spät? Nu denn – dann halt für die Enkel.

Und da sind wir also beim Ausflugsort Rottweil, und all diesen Agenden, in denen das Hier und Jetzt irgendwie zu kurz kommt.

Nächstes Mal frage ich früher nach – damit auch die abseits gelegenen Brunnen gereinigt werden. Damit sie gar nicht erst so versiffen. Ich will den Ärschen nicht das Feld überlassen. Und den Touris auch nicht. Ich will hier wohnen und mit den Kindern zuhause sein.

Und wir passen künftig besser auf. Das soll uns eine Lehre sein.

Das werden wir tun, ich hab´s fest vor. Ein bisschen eine Wehmut ist dabei. Es ist ein Schritt weg vom unbeschwerten Vertrauen. Das stinkt mir daran. Vorsicht ist auch Abkehr vom Vertrauen.

Wenn man nicht mehr barfuß planschen kann, ist dies ein anderes. Ähnlich, wenn man sich nicht mehr frei ins Spielen, Träumen, Lieben fallen lassen kann, dann ist auch dies anders. Vorsicht verändert Geschichten. Und das haben wir den Ärschen zu verdanken, die gar nicht mehr wissen, wie sich benehmen. Einer macht die Scherben. Wenn ein anderer hineintritt, hat er Pech gehabt. Ist doch scheiße.

Fridays for Future

Effekthascherei?

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.rottweil-klimanotstand-eine-effekthascherei.149fe49e-cbd4-4eb1-b0c5-ad1d72b44b0a.html

„Schule schwänzen für die Zukunft ist wie Bomben legen für den Frieden“, sagt Reimond Hoffmann von der Afd.

Er muss es wissen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er so manches verpasst hat – damals.

Streiken ist nicht Schwänzen. Ein Streik will Aufmerksamkeit, ein Schwänzen möglichst nicht. Und weil´s die Aufmerksamkeit erhöht, wird provoziert. Weiß man eigentlich in der Afd. Und Bomben legen für den Frieden ist Unfug, in der Tat, nichtsdestotrotz leider dennoch gängige Praxis. Die meisten Kriege werden so begründet.

Und wieder dieser bescheuert altkluge Zeigefinger – „was soll denn mit der Wirtschaft werden? Wie, ihr jungen, dummen, Leute, wollt Ihr denn das bezahlen?“

Yep! Let´s talk about money. Es ist ja nicht so, dass es zu wenig Geld gibt im Land, und in der Welt. Es ist nur sehr konzentriert verteilt, und einige, die ungestört weiterverdienen wollen, hocken drauf. Und über die Rechnung, die kommt, wenn man nicht umdenkt, hat man noch gar nocht geredet. „Wie, ihr alten dummen Leute, wollt Ihr das bezahlen?“, könnte man zurückfragen. Wird man keine Antwort bekommen; es gibt nämlich keine, zu hören bekommt man nur beschwichtigende Ausflüchte – diese Rechnung darf schlicht nicht interessieren.

Effekthascherei?

Seien wir nicht so abgebrüht. So unlauter und billig ist das hier nicht. Natürlich sind die Methoden auf Effekt angelegt; man will ja was erreichen. Und man appelliert an die Angst, an Verantwortung, an Moral, ja – ans große Ganze. Ans Eingemachte. Weil man das so empfindet – es geht gerade ans Eingemachte. Ans Existenzielle. Und da lieber Effekthascherei, jawohl, wenn man es denn unbedingt so nennen will, als ewig dieselbe abgebrühte, stereotype Haltung gegenüber allem, was geschieht. Wenn einer sich von gar nichts mehr aus der Ruhe bringen lässt, wenn einen gar nichts mehr juckt – dann darf man da auch Ignoranz und Kaltblütigkeit unterstellen.

Dann lieber Effekthascherei.

Und was die Glaubwürdigkeit angeht – ja – ein weites Feld. Ich verzichte auf eine Gegenrechnung – wo überall in der Politik, in der Wirtschaft, im Glauben, im sozialen Miteinander A gesagt und B gemacht wird, wie und von wem. Ich weiß nicht, ob irgendwer der Anwesenden auf der letzten Demo gerade erst von Mallorca zurück war. Ich habe nicht mit allen gesprochen, aber die, mit denen ich gesprochen habe, waren alles Leute, denen es Ernst ist.

Angst

Es wird bisweilen so getan, als wäre sie was Schlechtes, die Angst. Etwas, das man unbedingt überwinden muss. Etwas, das nur die Schwachen betrifft. Pustekuchen. In erster Linie will Angst ja schützen. Das leuchtet jedem ein, wenn´s um die rote Ampel geht, an der man hält, oder das Sprungbrettverbot im Freibad für die, die nicht schwimmen können.  Als  Ratgeber der Politik – das ist in der Tat neu.

Sie treibt alle um, irgendwie. Die einen haben Angst vor dem Weltuntergang, die anderen vor  jeder Art Veränderung.  Vor Verlusten. Ums tägliche Schnitzel.

Angst ist immer blöd. Kaum ein Gefühl fühlt sich so übel an wie Angst. Finde ich. Und entweder leide ich sie ungehemmt, oder ich halte mir sie nach Kräften vom Hals, mit leicht esoterisch angehauchtem Geschwurbel von wegen ´nichts in der Welt geht verloren´, also auch nichts Gutes. Alle gute Energie bleibt. Weswegen es oberste Bürgerspflicht ist, möglichst viel Freude und Glück in die Welt zu bringen. Und am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende. uswusf.

Andere beten. Es läuft wohl aufs Gleiche hinaus.

Seelenhygiene.

Es gab in meinem Lebenslauf mal eine angstfreie Zeit, komplett angstfrei; keine Angst um nix und niemanden, nicht um Karriere, nicht um Reichtümer, nicht um Familie und Lieben, nicht ums eigene  Leben – es war ein gnadenvoller Zustand. Ich habe mich durchaus nicht benommen wie das Wildschwein im Maisacker, aber den Gang der Dinge, so schlimm er daherkommt, den konnte ich gleichmütiger und ohne dies quälende Bauchweh betrachten. Bei allem, was das Leben heuer ausmacht, was mich beglückt und erfüllt – diesem Zustand trauere ich nicht selten nicht wenig nach. 

Trotzdem gebe ich Greta Thunberg darin recht: alle sollen  Angst haben, jedenfalls diejenige vor dem ökologischen Kollaps. Alle, die Macht haben – Politiker und Bosse auf jeden Fall – sollen diese Angst haben.  Ohne sie sollte man gar keine Politik mehr machen dürfen und keine Entscheidungen fällen, die auch nur im Entferntesten  Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft haben.

Es gibt so viele sichtbare Belege, und Erkenntnisse und Warnungen ernstzunehmender Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen, die die Welt kurz vor dem Kollaps sehen, dass daran zu zweifeln mir anrüchig erscheint.  Nichts gegen Hoffnung und Optimismus – aber Ignoranz ist schon viel zu lange am Drücker. Da kann man als Eltern oder Großeltern schon ein komisches Gefühl in der Magengegend haben, wenn man an die Zukunft der Kinder denkt.  Meine Tochter redet vom Kinderbekommen, und ich rechne hoch, wie alt sie bei welcher  Prognose sein wird, und schweige betreten. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Es kommt mir vor wie lügen; ich verschweige etwas, und ich fühle mich nicht gut dabei.

Es ist Zeit wegzugehen von dem Prinzip „mehr Reichtum“. Alle Politik, alles Streben ordnet sich dem unter – „mehr Reichtum“.  Das ist irre. Wir haben zum Wegwerfen! Was also soll das? Darum darf es nicht mehr gehen. Es darf auch weniger sein.  Und es bedeutete dennoch ´besser leben´.

Ich glaube, das ist mehrheitsfähig. Man stelle sich das vor – eine Wahl, die nicht mit Versprechungen von ´mehr´ gewonnen wird, sondern mit Ehrlichkeit und einer europäischen Variante von „Yes we can“.

Man stelle sich vor, was da für eine Politik möglich wäre. Ein Traum.

Klar – jeder empfindet seine eigenen Zumutungen. Aber  keiner ist wirklich frei davon.  Jedem wird etwas abverlangt, worauf er keine  Böcke hat. So isses.  Dann mutet einem das Leben, das Zusammenleben, und die Rücksicht auf nachfolgende Generationen eben etwas zu. So what?  Was ist verkehrt daran?

Ich persönlich rege mich mehr auf über das schlechte Funktionieren der Bahn und über das miese Angebot  des öffentlichen Personennahverkehrs , und über immer billigere Kurzstreckenflüge, als über Dieselmotoren. Wer ein altes Auto hat, muss, ginge es nach mir, nicht verschrotten.  Neuproduzieren ist nicht unbedingt die ökologischste Lösung. Und auch ich stelle nicht gleich um auf vegan, wenn ich die industrielle Massenproduktion von immer mehr und immer billigerem Fleisch sofort abschaffen will.

Aber ich würd sie abschaffen! Und Fleisch wäre wieder so teuer, dass man es nur zu Festtagen isst.

Ist doch nicht schlimm. Essen wir Soja und Getreide selber und nicht die Sau. Kann auch lecker sein, und ist gesünder.

Und damit das denen, denen jeder Verzicht ein Anschlag auf die menschliche Würde ist, etwas annehmbarer wird, würde ich andererseits Verbote lockern und Sachen erlauben, die Spaß machen.

Legalize-

Tanzen an hohen christlichen Feiertagen  zum Beispiel.  Das mag wiederum religiösen Gefühlen widerstreben und dem Einen oder Anderen sauer aufstoßen. Man darf dabei aber sehen, dass die Kirche als Institution oft sich selbst über den Glauben gestellt hat und die Wahrung der eigenen Interessen wichtiger war als religiöse Grundsätze.  So gesehen hat man diese Gefühle also selbst zur Disposition gestellt. Ich unterstelle eine gewisse Übung.

Man kann den Feiertag ja behalten, und wer nicht tanzen will, muss nicht.

Ich würde  freies Campen erlauben – okay, vielleicht nicht überall – und coolere öffentliche Plätze einrichten, gerne auch in der Innenstadt, wo junge Leute sich aufhalten können, ohne dass das jemanden zu stören hat.

Ich würde Streetworker einstellen, die für Leben im Revier sorgen.

Und ich würde stattlich gesponserte Ferienanlagen anbieten für Leute mit kleinem Budget. Meer für alle, auch ohne Tui und Malle.

Statt Klimaanlagen gäbe es hitzefrei, und die Schule würde später anfangen. Spielen wäre Pflicht-.  Sport und Musik wären Hauptfächer, und in der Mittagspause gäb´s auf Schulhöfen und in Parks, in Aulen und Mensen, Kantinen und Großraumbüros Yoga für alle, oder Kickboxing, für die, die es lebhafter mögen….

Ach – mir tät so einiges einfallen, was gut und gerne Schnitzel und Flugreise ersetzt.

Fridays for Future Rottweil

Endlich hab ich es geschafft, dabei zu sein. Bin mächtig stolz. Die erste Demo seit Jahren.  Hat gut getan, sollte man viel öfter machen.

Und dann erfahre ich, dass das, was am Morgen noch als heimatloser Satz über die Tastatur schlich, einen handfesten Rahmen hat:

Am Morgen dachte ich noch, mit dem Kopf bei ´Backfire for Max´, es sei ja doch eigentlich beschämend, wie weit weg in Rottweil die ganzen Waffenschmieden im Kreis dünken.  Wie wenig das interessiert.  Wie gleichgültig das hingenommen wird. Rottweiler Technik tötet auf der ganzen Welt.  Wir leben seelenruhig und gut davon.

Es stimmt nicht. Es wird überhaupt nicht gleichgültig hingenommen. Von wegen Seelenruhe. Am Morgen war eine Demo am Duttenhoferdenkmal, weil Heckler und Koch seine Hauptversammlung im Neckartal hatte. Protestlieder wurden gesungen, Schilder geschwenkt, Symbolleichen auf den Boden gelegt. Den angebotenen Kaffee abgelehnt – kein ´Blutespresso´! Ich hab´s nur nicht mitbekommen. Da sieht man´s mal. Sich über allgemeine Gleichgültigkeit mokieren und dann – seelenruhig – im Alltagsblues die Demo verpennen.   och koomm

Dafür mittags bei Friday for future Lärm gemacht, marschiert, Parolen geschmettert, mich aufs Pflaster gelegt, zugehört.

Es ist schon toll, was diese Jungen da auf die Beine stellen. Und toll, mit wieviel Geist und Elan, und Humor, da Veränderung eingefordert wird.

Abkehr vom Protegieren des Autoverkehrs. (Ich finde auch widersinnig, was ich just an diesem Tag in der Zeitung gelesen habe:  dass das Busfahren wieder teurer wird. NOCH teurer. 2,20 für eine Kurzstrecke, über 4 für ein Tagesticket – das ist happig, und das bei teils miesen Zeiten und Anbindungen).

Nachhaltiger  – und gesünder – leben, weniger Fleisch. Oder gar keins. Vegan.

Ich hatte nicht gewusst, dass weltweit betrachtet die Fleischproduktion mehr Co2 freisetzt als aller Verkehr zusammen, und auch nicht, dass Butter eines der klimaschädlichsten Lebensmittel ist. Muss ich drüber nachdenken. Und vielleicht doch mal Hafermilch probieren oder so was.

Second hand trading. Kein Problem für uns.

Und vor Allem Dranbleiben. Reden, Diskutieren, Demonstrieren, Provozieren, Argumentieren…

Ja. Sie haben Recht. Dranbleiben.

Ich nehm´s mir fest vor.