Gefühlsbäder – ein Aufguß

Nordschwarzwald. Regen am Fenster, das Prasseln der Tropfen auf dem Dach, leises Vogelgezwitscher. Ansonsten Stille. Und das ist gut so. Es ist der erste Mai, der Tag der Arbeit, und ich war die Woche so müde, dass ich mich jeweils gleich nach dem Aufstehen aufs Bett-gehen freute. Heute ist der Tag dafür. Wenigstens. Eigentlich wäre es der Tag nach überschwänglichem Tanz. Den gab´s heuer nicht. Es ist noch lange hell, aber wenn man die Vorhänge zuzieht, stört das nicht.

Eine Schicksalsergebenheit macht sich breit in mir, von der ich nicht weiß, ob ich sie gut finden soll. So manche Ungerechtigkeit und in unserem Coronadasein manche Regel, die ich für uneffektiven Quatsch halte, regen mich ungeheuer auf. Diese Allesdichtmachen-Aktion war wohl ziemlich missglückt, dennoch halte ich auch so manche Maßnahme  für nicht ganz dicht. Ich nehme dennoch hin und kooperiere. Weitestgehend halt. Da geschieht etwas, das größer ist als das bisher Gewesene, und ich begegne dem mit einigermaßen Respekt. Zum Teufel wünschen tu ich´s trotzdem. Ich würde gerne mal wieder schöne Pläne schmieden, von Reisen und rauschenden Festen, von Badefreuden und mit dem ganzen Kreis der Freundinnen durchzechten Nächten. Was Schule ist, was Ferien wäre klar, und ´Daheim´ wäre wieder der Ort, an den wir spät abends fröhlich zurückkehren, nachdem wir uns den Tag tosend um die Ohren gehauen haben. Hach, wäre das schön.

Stattdessen…….

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Familiengeschichten

Vielleicht ist auch dies irgendwie coronabedingt – dass ich so sehr mit Familiärem befasst bin. Immerhin lenkt es mich effektiv ab von diesem heillosen Drama um steigende Inzidenzen und Änderungen von Infektionsschutzgesetzen, um diverse Lockdowns und teils schrägen Protest dagegen und um Impfstoffe, die nicht zu haben oder nicht risikolos oder wirkungslos oder wasweißich sind. Ich spiele ein bisschen Vogel Strauss und stecke den Kopf in den Treibsand der familyaffairs. Obwohl es das davor selbstverständlich auch schon gab – familyaffairs. Trotzdem sehe ich mittlerweile fast alles nur noch durch die Coronabrille, als zwängte sie mir ihren Fokus auf, ob ich will oder nicht. Alles lodert auf unter diesem Brennglas, das Kleine wie das Große, das Nahe wie das Ferne.

Das Thema ´offene Türen´ ist nach wie vor präsent. Es ist jemand hereingekommen, mit dem wir uns schwer tun, und es stellt sich die Frage, wie offen die Türe sein soll, und wie wir sie, so es denn notwendig erschiene, wieder schließen ohne sämtliche Ideale des Anstands und der Nächstenliebe zu verraten. So wie ich keinen Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen will, will ich auch niemanden  fortschicken, der keine Bleibe hat. Verträglich benehmen sollte er sich freilich schon. Das Eigene will auch geschützt sein. Früher war das ganz einfach….

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Vom Wert der Politik

und der Moral der Geschichte

Wer etwas anderes als Wirtschaftsinteressen zur Priorität erhebt, gilt schnell als naiv.  Politiker wie Gerhard Schröder finden, es müsse  weniger um Werte gehen als um Interessen. Er steht damit nicht alleine. Das heißt nichts anderes, als dass es unerheblich ist, ob etwas ´richtig´ oder ´falsch´ ist, es muss bloß dem eigenen Vorteil dienen.

Mich friert bei solchen Thesen.

Es ist mir dabei vollkommen klar, dass globale Probleme auch global gelöst werden müssen. Aber das bedeutet nicht, dass nicht jedes einzelne Land Schritte in die richtige Richtung unternehmen sollte. Ich halte es für naiv warten zu wollen, bis die Welt sich geändert hat. Die Starken gehen voran. Ohne Moos nix los, sagt mein Bruder. Ich streite es nicht ab….

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#reclaimthesestreets

In London dauern die Proteste wegen der Ermordung einer jungen Frau namens Sarah Everard an. Sie war auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. 

Männer werden öfter Opfer von Gewaltverbrechen. Aber ich glaube, sie werden anders behandelt: wer Opfer, wer Täter ist, ergibt sich aus Hergang und Schaden und ist weniger eine Frage von Moral und Inanspruchnahme persönlicher Freiheiten.  Unter dem Hashtag #reclaimthesestreets rumort es jetzt in England auf Straßen und Plätzen, an Küchentischen und in den sozialen Netzwerken. Man redet über Gewalt an Frauen und wie die Gesellschaft damit umgeht. Und ich meine, das ist gut so.

Was mich aufstört, ist weniger der Umstand, dass Sarah Everards Mörder Polizist ist. Er hätte auch Bäcker, Nerd oder Steuerberater sein können. Überall gibt es solche und solche. Polizisten sind keine besseren Menschen. Was mich aufstört ist, wie die Polizei gegen die demonstrierenden Frauen vorging. Es hätte um die Durchsetzung von Coronaregeln gehen können, ums Abstandhalten und Mundschutz tragen. Aber dazu muss man nicht auf den Boden drücken und gewaltsam abführen. Nein, es war gegen die Frauen gegangen. Und diese Gewalt ging leicht von der Hand – das Feindbild lag nahe. Die, die ihre Verbundenheit mit dem Opfer demonstrierten, weil jede wie Sarah Everard Opfer hätte sein können, die waren plötzlich die Schuldigen. Und das ist eine Erfahrung, die Frauen als Opfer immer wieder machen. Vielleicht kam die Härte der Polizei daher, dass der Täter ein Kollege war und man sich persönlich auf den Schlips getreten fühlte. Damit man selbst nicht am Pranger steht, stellt man andere hin. Angriff als Verteidigung, ein gängiges Prinzip. Ich weiß es nicht, und es ist auch egal.  Es kann nicht Aufgabe der Opfer sein, die Motivation der Täter zu begründen. Sicher weiß ich, dass in der Abwehr die Londoner Polizei so manches verkannte, und ganz bestimmt, dass das Verhältnis zwischen Polizei und Frauen kein unbelastetes, von Lauterkeit getragenes Terrain ist, sondern ganz im Gegenteil eine schwierige Geschichte. Und deshalb wäre in heiklen Momenten deutlich mehr Vorsicht geboten. Das ist so in London, und in Deutschland, und in Rottweil auch. Das weiß ich aus eigener Erfahrung……

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Good vibrations – eine Sammlung

Ich bin noch immer befasst mit meiner Übung, gute Momente zu sammeln, jeden Tag mindestens einen festzuhalten.  Es gibt Tage, da gelingt das ganz locker. Wenn ich morgens aufwache, und das Erste, das ich höre, ist „ich liebe dich“. Ist mir vergangene Woche passiert. Kann ein Tag besser beginnen? So eindeutig ist es freilich selten. Neulich habe ich lange gegrübelt und wusste am Schluss wenigstens, was ich NICHT wollte – es ging um Zwischenmenschliches. Vielleicht gilt auch das als ´gut´. Schlecht und Gut liegt ja mitunter verblüffend nah beisammen. Mal wieder die Stadt von oben gesehen. Das war gut. Zum arabischen Essen eingeladen gewesen und im Gespräch auf Weltreise gegangen. Auch gut. In einer Situation ruhig und überlegt geblieben, in der ich schon aus der Haut gefahren bin. Super! Bin ich stolz drauf. An anderen Tagen muss ich mich sehr anstrengen. An Tagen wie diesem heute zum Beispiel, wenn ich alleine aufwache und die komplette Trostlosigkeit des Daseins zuschlägt, mit Schneeregen im März, wo das Herz nach Frühling verlangt, und stattdessen eine Wettervorhersage die Sonne auf Tage hinaus hinter die Wolken verbannt….

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Von fehlender guter Laune und Albernheiten

Der Kopf ist voller Themen. Ich bekomm´s kaum sortiert. Das hat bestimmt auch damit zu tun, wie deprimierend manche Themen sind, und wie aussichtslos.

Ich habe mit Leuten zu tun, die sich nicht an Spielregeln halten und kann mich dem nicht entziehen. Meganervig.

Richtig übel sind Krankheiten. Da gibt es Leute, mit denen ich alt werden und die ich nicht leiden sehen will. Und die Suche nach Therapien ist die nach der Nadel im Heuhaufen. Zum Heulen.

Anderen klebt die Kacke am Schuh, und die wandert mit jedem Schritt mit, und ich kann nicht helfen. Tut mir so leid.

In manchen Aufgaben habe ich das Gefühl, täglich wie Sysiphos einen Felsblock den Berg hinauf zu schieben, nur damit er abends wieder runterollt und am nächsten Tag dasselbe ansteht. Auch oft frustig.

………

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Die Fasnet, die nicht war

Doch, am Ende, so im Nachhinein, meine ich doch, fühlte sie sich an wie ausgefallen. Abgesagt und ausgefallen. Was war, war keine neue Form von Fasnet, eine der Pandemie angepasste. Ja, es war noch nicht mal eine Notlösung. Es war eher eine Art Ehrbezeugung, a tribute to -, als würde halt irgendwie der Umstand, dass sie gewesen wäre, gewürdigt.

Die Clips mit der Schmotzigengruppe und mit den Kindern waren schön zu machen. Da war kurz Fasnet. Außerdem waren just in diesen Tagen diverse Kindergeburtstage, verkleidete natürlich. Wenn so ein Kind sich ein ganzes Jahr auf seinen Geburtstag freut, und dann ist der und es darf aber nur ein einziges weiteres Kind einladen, dann macht das die Sache nicht einfacher, wenn das Ganze  dennoch eine Party geben soll. Wir hingen uns also ziemlich rein, und am Abend des Schmotzigen hing die Krone denn auch schief und war die Schminke verschmiert. Fürs Zoomtrinken anschließend hatte ich kaum mehr Energie. So weit so gut. Am Samstag eine Freundin auf einen Fasnetssekt besucht, am Abend die Küche geputzt. Am Sonntag wäre normal der Bajassumzug gewesen, da waren die Kinder heuer nicht mal da. Stattdessen die Eltern besucht und abends Schulsachen sortiert. Stapelweise Arbeitsblätter versucht einem Wirrwarr von Schnellheftern zuzuordnen, deren Inhalt bestimmt einem System unterlag, aber keinem, das ich verstand. Jetzt ist alles irgendwo drin, und es sind neue Ordner gekauft. Künftig will ich aufmerksamer Schulranzen aufräumen. Alles ist zu was gut. Ich bin näher dran jetzt. In viele Hefte hatte ich kaum je wirklich hineingeguckt. Am Montag wurde ich um sechs Uhr wach, weil eine kleine Prozession, ein mageres, trauriges, herzanrührendes Orchester in noch stockfinstrer Nacht, das erste  Morgengrauen war noch weit, am Fenster vorüberzog und „Oh-jerum“ spielte, in Moll. Dazu defilierte ein langer Mann vorüber, der mir aus dieser Perspektive fremd vorkam – der Kopf riesig, und so harte, kantige Züge; ausserdem schien der Körper geschrumpft. Ich kannte den langen Mann eher aus Kinderperspektive, die eigenen Augen irgendwo auf Kniehöhe, darüber bis zum fernen Kopf hoch oben viel wallendes Blau. Komisch. So sieht der aus? In diesen Zeiten ist sogar der lange Mann nicht mehr das, was er mal war.

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HomeschoolingII

Hausaufgaben – ein Reizwort, sobald  es fällt. Ich fange an das zu verstehen. Familiär steht´s für  Disziplin und Ordnung – wer und welche Familie hat wieviel Energie übrig, sie durchzusetzen – weil ein Wollen ist´s ja selten. Politisch steht´s für Ignoranz und Anmaßung. Hausaufgaben sollen immer da gemacht werden, wo Schlendrian und zu großes Wünschen bei zu wenig Initiative unterstellt wird.

Homeschooling ist eine ziemlich große Hausaufgabe. Die hat niemand ausgesucht, die ist einfach so geworden. Ist halt ein Elend mit diesem Corona. Mit der Schule meiner Kinder bin ich allgemein und hier insbesondere hochzufrieden. Man hat versucht für alle Klassenstufen ein  praktikables Modell des Homeschoolings anzubieten – eine Mischung zwischen zugesandten Plänen inklusiv Arbeitsmaterial und Online-Schulstunden, die dem Ganzen durchaus Rhythmus, Schulbewusstsein und sogar ein gewisses Gefühl von Klassengemeinschaft vermitteln.

Wir kennen nun alles. Homeschooling ohne jede Form von Digital, homeschooling mit Digital, und Notbetreuung. Und wir kennen die jeweiligen Vorzüge und Nachteile. Notbetreuung funktioniert überraschend gut, was die Motivation der Kinder angeht. Die finden´s dort ganz prima. Sie kommen mit  weitestgehend gemachten Aufgaben heim. Aber kontrollieren und korrigieren muss man zuhause trotzdem. Sie sind dort betreut, nicht unterrichtet. Fair enough. Homeschooling ohne Digital ist gechillt und bietet Freiräume, hat aber wenig mit Schule zu tun. Homeschooling mit Digital bietet einen gewissen Komfort, schon was das frühmorgendliche aus dem Bett und in die Klamotten quälen angeht, ist bisweilen durchaus effektiv, fühlt sich echt an wie Schule daheim, hat aber auch seine Tücken. Manchmal hindert einfach Unlust oder zu viele Ablenkungsmöglichkeiten. Der Kater legt sich aufs Blatt, die Barbie oder Legofigur drängt sich auf, man hat Hunger, Durst, muss aufs Klo, muss aus dem Fenster gucken, sieht zum ersten Mal im Leben, dass schräg gegenüber ein Kind wohnt, hat nochmal Hunger, nochmal Durst, muss nochmal aufs Klo, braucht endlich eine Pause. Das dreht sich im Kreis und kann sich über Stunden ziehen…..

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Übers Homeschooling, Impfen und diverse andere Kleinigkeiten

Der Lockdown fühlt sich an wie ein Dauerzustand, und weil er so normal ist, richten wir uns darauf ein. Treffen finden online statt, mehr als zwei Haushalte kommen real nicht zusammen, und wenn, dann zufällig, und der Zufall wird schnell aufgelöst. Dafür wird die Abstandsregel regelmäßig gebrochen. Ich kenne andere, die halten Abstand, nehmen´s aber mit der Haushaltszahl nicht so genau. Wieder andere leben praktisch nur noch online. Jeder wie er kann. Jeder auch, wie er NICHT kann. Und jeder wie er´s versteht. Wenn er´s versteht. Dass ich meine Eltern besuchen kann, die aber nicht mich, das verstehe ich zum Beispiel nicht. Meine Mutter ist seit Wochen nicht mehr wirklich aus dem Haus gekommen. Und ich frage mich, wie das aussehen soll – weitere Verschärfungen.

Wir streiten in der Familie übers Impfen, wobei Streit nicht mit eigenen Worten und selbst formulierten Argumenten  ausgetragen wird, sondern mit Links. Ich werde bombardiert mit Links. Die abzuarbeiten würde Tage dauern. Gute Güte, so viel Zeit soll ich dafür aufwenden? Ich gelte mal wieder als eine, die es aufzuwecken gilt. Ich meine, ich bin informiert. Ich weiß, welche Firma welchen Impfstoff aufgrund welchen Prinzips entwickelt, wie weit Forschung und Zulassung gediehen sind, und meine Hausärztin weiß, welchen ich will. Es ist der, den auch sie favorisiert, höre ich heraus. Ich weiß nicht alles, aber so einiges um die Risiken, und ich wäge ab. Und ich weiß, es gibt kein absolut sicheres Rundumsorglospaket, es ist immer die Wahl wie zwischen Teufel und Beelzebub. Ich tu´s trotzdem. Ich habe mich schon aus nichtigeren Gründen mit vermutlich kaum besser erforschtem Zeug impfen lassen. Dies jetzt, eine akut wütende Pandemie, das ist doch mal wirklich ein Anlass.

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