Die Qual der Wahl




Ich habe einen schweren Kopf, bin lange bei einer Housewarmingparty gewesen und habe dort in einen Geburtstag reingefeiert. Zwei Partys in einer; eine Nacht ist zu kurz für so was. Und dann die Themen – Männer, Kinder, Kirche, Gas, Job, …, und natürlich die OB-Wahl. Es ist meine erste. Und ich bin unentschlossen. Ich find´s echt schwer. Dabei ist tröstlich, dass es anderen genauso geht. Keine der Frauen gestern wusste ohne Zögern, wen sie wählen wird.

Den Herrn Dr. Ruf, den kennt man nun schon, hat ihn öfter gesehen, und immer war er freundlich, nie ist er unangenehm aufgefallen. Der macht seinen Job vermutlich ganz famos, als Bürgermeister bestimmt. Es bleibt halt die Frage, wie das mit dem Wechsel von Verwalten zu Gestalten so klappen würde. Er kommt auf den Plakaten ein wenig lockerer daher, das steht ihm gut. Aber trotzdem – so richtig den inspirierten Macher mit frischen Ideen seh ich halt nicht in ihm. Außerdem stelle ich mir vor, dass die Kontakte schon stehen/ die Verbindungen, und dass in den vergangenen Jahren schon so viele Gespräche geführt sind, die alle ihre Resultate gebracht haben, so dass „anders“ nur bedingt drin liegt. Und dann redet er halt doch wieder von neu auszuweisenden Baugebieten, und das geht halt gar nicht. Irgendwann, will ich meinen, muss man mal aufhören mit zubetonieren und mit dem Vorhandenen schaffen.

Das gefällt mir an Kai Jehle-Mungenast nicht schlecht, der ein sehr reserviertes Verhältnis zu Abriss und Neubau zu haben scheint, der mit ressourcenschonender Politik tatsächlich genau dies zu meinen scheint….

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Von guten und nicht so guten Mächten

und allerhand Nebensächlichkeiten

Ich fühle mich etwas zweigeteilt, zerrissen: Krisen – und Katastrophenmodus versus Lebensfreude. Und so viele Aufgaben und Baustellen, die es zeitgleich zu koordinieren gilt – ein permanentes Multitasking. Eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Wenn ich in einer konstanten Betriebstemperatur bleibe, unabhängig von der jeweiligen Aufgabe, geht’s – aber wehe, es wird mal fiebrig oder unterkühlt, dann ist sofort der Wurm drin.
Temperament und Emotionen zu kontrollieren empfand ich als junger Mensch als eine Zumutung. Dessen ungeachtet verlangt das Dasein es trotzdem ab. Ich bin froh, dass ich in der Lage bin zu lernen. Ich kenne eine Frau, die von Dauerpsychosen gemartert wird und immerzu fragt, ob sie „durch Arbeit an der Krankheit hinter diese kommen könne“. Sie könnte bestimmt Erleichterung erfahren, denk ich. Nur leider scheint die Krankheit eben diesem Arbeiten und Lernen im Weg. Das ist bitter. Das Schicksal kann einem schon übel mitspielen.
Ein Grund mehr der Lebensfreude nachzugehen. Verzweiflungsprophylaxe. Es ist Sommer, so richtig satt und heiß, und das schon morgens beim ersten Schritt vor die Türe. Ich schiebe den Gedanken an Klimawandel beiseite und genieße die Luft an den Beinen. Ich habe mein Rad verändert. Statt Friseur. Mir war nach Stilveränderung. Es waren Stunden meditativen Bastelns inklusive kindischer Anwandlungen. Das Rad ist jetzt blau, dekoriert mit glitzernden Delfinstickern, vornedran gibt eine einbeinige und zur Meerjungfrau umgebaute Barbie die Galionsfigur und um den Korb ist ein Fischernetz. Mein Rad ist ein Schiff, der Asphalt das Meer und ich bin die Kapitänin auf hoher See. Ein Segel täte mir noch gefallen.

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Neues Lieblingswort: minimalinvasiv

Es ist ein Segen, wenn das eigene Leben so ist, wie man es sich wünscht und wie es guttut. Die Welt drumrum ist bei Weitem nicht so, wie ich sie mir wünsche – meine eigenen Strukturen schon. Das darf gerne so bleiben. Es ist auch ein Segen, wenn nichts mit Gewalt oder übermäßigen Ansprüchen einbricht.
Ich habe gefühlt immer zu wenig Zeit. Dabei ist das blöd. Ein Tag hat 24 Stunden, nie mehr, nie weniger. Und was man schafft, schafft man, was nicht, das nicht. Es war eine volle und erlebnisreiche Woche, mit nicht nur Job und Familie, sondern mit für meine Verhältnisse viel Öffentlichkeit, fand ich. Der krönende Abschluß war der Samstagsabend, das letzte Konzert des Jazzfestes. War ziemlich elektronisch alles, aber mega. Ich finde Akkordeon toll. So saß ich mit einem leichten Schwips und einem verliebten Gefühl im Bauch, ließ mich von Musik und Lichtern entführen und fand alles ganz klasse. Ich hatte meine Freundin zum VIP-Empfang begleitet, und das ist schon ein Spaß, sowieso mit Sekt und Häppchen und grünem Bändel, mit dem man frei konsumieren darf, inklusive Gin-Tonic. Gerade noch die Kurve gekriegt und dem fetten Kater ausgewichen. So war der Sonntag gerettet, der dem Aufräumen gewidmet sein sollte, haushälterisch wie mental.
So geschehen. Minimalinvasiv, was das Haushalten anging. Es zog mich hinaus; ich war lange nicht spazieren………………………

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Übers Runterkommen, Familie, Krieg und Frieden

Runterkommen ist schwerer als rauf. Bergsteiger wissen das. Der Abstieg lässt nicht so prusten, aber er geht mehr in die Beine. Als Radfahrerin bevorzuge ich das Bergab. Seit ich ein EBike habe, ist es eigentlich ziemlich schnuppe, das ist das Schöne daran, jeder Berg wird flach. Trotzdem hat es sich in mir festgebrannt – lieber bergab, und so brauchte es nun eine Weile, bis mir klar wurde, weshalb ich mich so wundere und schwertue dieser Tage. – Weil mir das Runterkommen schwerer fällt als raufwärts.

Als familienbedingt das Leben plötzlich so voll wurde, dass jeder Tag zu kurz wird und die Woche zu wenig Tage hat, ging es leicht, mich drauf einzustellen. „Das ist jetzt so.“ Basta. Dann wird anders geplant und jeder Leerlauf rausgeschnitten. Dann gibt es keine Minute mehr ohne „dringend“. Ohnehin verschieben sich die Prioritäten; das Notwendigste zuerst. Alles, das warten kann, tut das auf unbestimmte Zeit. So geht´s.

Aber irgendwann merke ich dann doch, dass es mir zuviel wird. Wenn sich rechts und links meiner Strecke zu viel anhäuft, wenn all das Liegengebliebene, Wartende, anfängt auf mich runterzuschauen. Dann schiebt es sich in die Nächte und drückt auf die Laune. Dann werde ich unduldsam in Momenten, die das weder verschuldet noch verdient haben. Mein darauf folgendes schlechtes Gewissen macht die Lage nicht besser. Spätestens dann weiß ich, es muss was geschehen.

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Auftauchen

Die Wochen und Tage sind zu kurz. Das ist das Pech der späten Mütter: die Kinder sind noch klein, die Eltern schon alt und teilweise und zunehmend gebrechlich, dazu der Job, die ganze Lebensgestaltung, der ganze Scheiß drumrum. Ab und zu habe ich nachts keine Ruhe zum Schlafen. Dann muss ich raus und mir einen Plan machen. Bisweilen ist der so ausgeklügelt und voll, dass ich am Ende selbst überrascht bin, wenn er aufging.
Ein Pflegebett ist noch keine Pflege, ein volles Glas ist noch nicht getrunken. Buchstaben erkennen ist nicht lesen-können, an sozialen Medien hängen nicht Kommunikationsfähigkeit. Und so geht’s fort. Es sind die Wege dahin, die Nerven kosten. Und wenn der Weg das Ziel sein soll, braucht´s eine klare Richtung, und also muss jeder Schritt überlegt sein.
Ich gönne mir wenigstens den Luxus und tauche ab. Die Krisen kriseln heuer ohne mich. Ich bin ein Wal in unruhiger See. Meine Lieben bleiben in Echolot-Rufweite und halten mit mir Kurs. Nur manchmal tauche ich auf, und dann staune ich, wie die Welt da oben aussieht und wie verrückt sie sich dreht.
Exkanzler Schröder war mit seiner jungen Gattin in Moskau. Ich habe ein Foto gesehen, auf dem sie – der Kreml im Hintergrund – andächtig betet – für die Vermittlungsversuche ihres Mannes oder für besser Wetter, keine Ahnung. Es sieht so andächtig aus.  Dabei muss wenigstens noch eine weitere Person mitanwesend gewesen sein, die, welche das Foto gemacht hat, und so andächtig stelle ich mir den Moment also gar nicht vor. Das erinnert mich an eine mir vor Jahren zugetragene Erzählung eines Journalisten, der mit Horst Seehofer auf Wahlkampftour in Bayern unterwegs gewesen war. Es sollte ein Foto gemacht werden, Seehofer in stiller Andacht in einer schlichten Kapelle. Der Tross rauscht an, drei Dutzend Journalisten, Wahlkampfmanager, Visagisten, uswusf. Seehofer nimmt Platz, faltet die Hände, guckt beseelt. „Das war nix. Nochmal!“ Also nochmal, ein Licht verrückt und die Nase frisch gepudert. Nochmal hinknien, nochmal Hände falten, stille Rührung ins Gesicht. Klick. Seehofer: „Hammers?“ Sie ham´s. Seehofer steht auf, der Tross packt ein und rauscht weiter. Besinnlichkeit kommt erst auf, als alle weg sind, auch Seehofer. Was soll das? Ein Auftauchen ist das jedenfalls kaum wert.

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Immer wieder montags

Sie waren im Grunde an mir vorübergezogen, die Montagsspaziergänge. Ich bleibe so leidlich meinem Neujahrsvorsatz treu und schiebe die geballte Wucht der Krisen öfter mal beiseite. Aber neulich saß ich montags um kurz vor sechs an der Bushaltestelle und wunderte mich über den Menschenstrom, der sich Richtung Schwarzes Tor und Fußgängerzone bewegte. Ich habe einige Leute darin gekannt, nette, friedliche Leute, die mit rechts null und nichts und null am Hut haben. Es dauerte, bis ich kapierte, dass sie wohl Teilnehmer des Protest-Demo-Spaziergangs waren.
Über die wird jetzt gestritten. Muss das sein und wieso und geht das nicht auch anders und weshalb sind sie gegen was eigentlich und vor allem mit wem. Mancherorts gibt es Gegendemonstrationen, und dann wird gestritten, wer sich falscher verhält. Den einen gehen die Maßnahmen nicht weit genug, andere lehnen sie alle rundum ab. Und zwischen den Gegensätzen „NoCovid“ und „Gar keine Maßnahmen“ ist viel Wut und Unverständnis und anscheinend „Spaltung“.
Ich mag dies Trennen in „geimpft“ und „ungeimpft“ und den Druck, der darauf aufgebaut wird, auch nicht. Aus Infektionsschutzgründen mag das die am nächsten liegende Lösung sein, aber mit etwas mehr Mut und Willen hätte es vielleicht doch auch andere Wege gegeben. Hin wie her – spalten tun wir wenn, dann selbst. Wir sind es, die auf die jeweils andern schimpfen und uns entzweien. Die Politik kann kaum besser sein als die Bevölkerung, über die sie regiert. Wären wir nicht so leidenschaftlich bereit zu streiten und uns zu entzweien und wären wir toleranter gegenüber anderen Haltungen und nachsichtiger bei Fehlern, die es überall gibt, wo gehandelt wird, würde sich nichts und niemand spalten. Wir sind mitunter schrecklich kleinmütig…..

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„Zwischen den Jahren“

Ein Blick zurück, vor und ein Mal ringsum

Es fühlt sich nicht „dazwischen“ an, sondern mitten drin.  Meine Mutter erzählt, früher haben sie gearbeitet bis HeiligAbend vier Uhr. Bis dahin musste alles gemacht sein. Dann war geschafft, vorbereitet und das Haus blitzblank. Dann kam Waschen und Umziehen, und die Weihnachtszeit begann. Und der Rest des Lebens ruhte. Das Vieh wurde versorgt, sonst nichts. Vielleicht war da „zwischen den Jahren“ echt Auszeit und ein Dazwischen.

Egal. Weihnachten ist vorbei, und es war schön, so, wie es sein soll, mit Frieden, Freuden und Kuchen. Über Konsumrausch und Völlerei lässt sich streiten, aber trotzdem finde ich wundervoll zu wissen, dass zeitgleich Menschen überall auf der Welt die Liebe und den Frieden feiern und kindliche Unschuld, die der Stern sein soll, an dem man sich orientiert. Ich schenke gern zu diesen Ehren und meine, wenn das überall geschieht, dann ist das Christkind so als Idee doch auch ziemlich real, auch ohne Frömmigkeit.

Und nun steht Silvester vor der Tür. Ich habe eine Weile getüftelt, bis ich einen Rahmen beisammen hatte. In diesen kontaktreduzierten Zeiten scheinen sich allmählich auch Umfeld und Freundschaften zu verändern. Vor Corona ließen sich viele Kontakte nebenbei halten. Man traf sich an Fasnet, Ferienzauber, Stadtfest und Weihnachtsmarkt, Geburtstage wurden groß gefeiert, man traf immer wieder aufeinander. Der Kreis der Nächsten scheint kleiner geworden. Wenn wer ausfällt, fällt schnell auch die Party flach, es müssen ja Groß und Klein zueinander passen, und außerdem will ich mich schon einigermaßen an die Kontaktbeschränkungen halten, nach einigem Dafürhalten interpretiert, das schon, aber nicht negiert.

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Alltägliches

Ich habe frei, unverhofft, so richtig und so ganz für mich. Das ist großartig. Es sind Ferien, und ich hatte zwei Tage Urlaub genommen – für wenigstens einen Ausflug mit den Nachbarn oder so. Nun haben die Kinder ihr „Frei“ ganz anders aufgeteilt. Und das ist auch okay. Ich habe die Kinder gerne um mich, aber man kommt halt auch zu nichts so wirklich. Jetzt ist die Bühne aufgeräumt und die Pflanzen sind vom Hof nach oben geholt, die Stulpen sind fertig gestrickt, und die Sache mit dem Kontowechsel habe ich endlich in die Hand genommen. Das sind typische Baustellen für Prokrastination – ewiges Vor-sich-herschieben. Ich muss schon echt Zeit übrig haben, um das anzupacken.

Ich hatte kein Problem mit meinem Konto; das war umsatzgering, aber solide geführt. Nur machte meine Filiale dicht. Wo die BW-Bank in der unteren Hauptstrasse war, ist jetzt zappenduster und leergeräumt. Das ist bedauerlich, vor allem für die, die da arbeiteten. Es wird gemunkelt wieso und weshalb; „Die Roten“ hätten eventuell etwas damit zu tun, und damit ist nicht die SPD gemeint. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht und kann und will es auch nicht beurteilen. Und natürlich könnte ich Kundin der Bank bleiben, ich mache eh fast alles online. Und auch bei der BW-Bank gibt es Hotlines und werden Fragen am Telefon geklärt. Aber manchmal gibt es doch Momente, da will ich vor jemandem stehen oder bei jemandem sitzen und mein Anliegen von Angesicht zu Angesicht klären. Manchmal brauche ich ein Gesicht und die persönliche Sachbearbeiter*in. Zum Beispiel wenn es um technische Probleme des Onlinebankings geht. So wie jetzt mit meinem Wechsel zur Postbank. Das Problem hätte ich freilich nicht, hätte ich nicht gewechselt. Der Tan-Generator von der BW-Bank hat ja noch tadellos funktioniert. Die Postbank aber, dachte ich, die hat überall Filialen. Das ist doch was.

Das mit dem Kontowechselservice klappte nicht. Am Ende war´s mehr Generve als Service; die eine Bank verwies mit allem, was sie NICHT tun konnte, auf die andere, die Zeit drängte und erste Zahlungen klappten nicht. Und schließlich musste ich es doch alles selbst in die Hand nehmen. Und eben dies ist ohne Onlinebanking schwierig. Also habe ich mir einen Termin geholt.

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Mein Linksrutsch

Ich rutsche nach links

weil das Land nach rechts rutscht

Es ist nur eine Frage der Wahrnehmung. Je weiter rechts jemand steht, desto früher beginnt links. Für die CDU ist die FDP schon Teil eines Linksrutsches. Das wäre witzig, wenn es nicht so bitter wäre.Deren Steuerprogramm entlastet die Spitzenverdiener von allen am meisten. Was gerade geschieht, ist nicht ein Linksrutsch, sondern einer nach weit rechts. Vergangene Woche war Kanzlerkandidat Armin Laschet in Rottenburg und beklagte zwar Hass und Hetze, welche die Afd in die Parlamente und die Gesellschaft trüge, und „die Afd muss weg“,aberin der CDU hat halt auch ein Maaßen Platz, der in Thüringen Direktkandidat ist – mit guten Aussichten, weil es keinen passenden CDU-Mann gibt, und Maaßen klingt wie von der Afd, was dort gut ankommt. Die Afd und die Werteunion stehen sich nahe. Sie haben ähnliche ´Werte´. Mit „Wir“ meint man nur sich selbst. „Freiheit“ steht für Egoismus und Rücksichtslosigkeit, und „normal“ ist wie „wir“ nur das eigene. Und was einem nicht passt, das gibt es nicht. Nach rechts ist die CDU offener, als sie behauptet. Und das ist es, was diesen den Weg bereitet.

Jedem seine eigene Panik. Die einen fürchten Corona, die anderen die Maßnahmen. Die einen den Klimawandel, die anderen den Verzicht. Man hat zum Wegwerfen, aber ´weniger´ ist keine Option. Die einen werfen Greta Thunberg vor, sie schüre Panik, die aber ist nichts gegen die Panik in manchen Chefbüros vor einer auf Nachhaltigkeit geeichten Politik. Und die einen fürchten rechten Nationalismus, die andern Rot-rot-grün. Eine Partei, die die Flagge der sozialen Gerechtigkeit hochhält, mit einer, die die für Klima und Umwelt trägt, mit einer, die die krass auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich schließen möchte. Kompromisse machen müssen alle. Aber für Leute, die in den Jahren des geruhsamen Vor-sich-hin-Regierens gelernt haben, wie man die entstandenen Netzwerke zum eigenen Vorteil ausnutzt und seine Schäfchen ins Trockene bringt, und denen es ein großes Anliegen ist, das nicht zu verlieren, denen ist DIES ein ärgerer Horror als so ein Ausländer-raus-Deutschland-den-Deutschen-und-Klimawandel-gibt-es-nicht-Ding? Geht’s noch?

Ich will die SPD nicht in Schutz nehmen. Cum-Ex geschah unter Scholz´ Ägide. Aber die Skandale bezüglich Korruption und Machtmissbrauch betreffen fast samt und sonders die CDU/CSU. Worum geht es denen?

Die Linken wollen umverteilen. Was daran ist verkehrt? Ein paar Handvoll Leute sind so reich, dass sie die Politik kaufen können, die sie gerne hätten. Und wir tun ihnen den Gefallen und wählen so, dass sie auch in der nächsten Legislaturperiode die altbekannten Büros aufsuchen und weiter ihren Deals nachgehen können? Wieso??

Die Linken hadern mit der Nato und der Aussenpolitik. Sie haben dafür gute Gründe. Diese ganzen Kriege, die da geführt werden, sie sind lang, und teuer, grausam und meist vergeblich. Und wenn man nach Arabien guckt, sieht man Europa vor 100 Jahren: die Kriege hören erst auf, wenn alle komplett am Arsch sind und keiner mehr kann. Frieden ist nur die Pause zwischen zwei Kriegen. Sobald eine neue, kräftige Generation herangewachsen ist, soll diese wieder losziehen wegen irgendeinem anderen Irrsinn, der genauso daneben ist. WOZU? Die Frage nach den Wegen zum und im Frieden darf gestellt werden! Diese Haltung ist in einer globalisierten Welt sperrig, und eine Regierung würde unklug handeln, wenn sie einfach so Bündnisse aufkündigte. Das wissen die Linken auch. Es geht aber auch nicht um Umsturz und Revolution. Es geht um neue Akzente und Diskussionen. Die Grünen haben schon mit einer ähnlichen Haltung in einer Koalition mitregiert. Und die Welt ist nicht untergegangen. Noch nicht mal in Baden Württemberg, wo die Grünen seit 2016 am Ruder sind.

Ich finde dies Rechts-Links-Ding, „die Rechten“ und „die Linken“, perfide, zumal mit der doch sehr antiquierten Belegung „recht = gut, link = heimtückisch“, (in seiner ganz gehässigen Form ein Relikt aus dem Nationalsozialismus; ursprüngl. von linkisch – ungeschickt und also falsch. Weil überwiegend mit rechts besser gearbeitet wird. Aber das ist Übungssache. Linkshändern wird eine bessere Vernetzung ihrer beiden Gehirnhälften nachgesagt, und das ist sicher kein Nachteil). Ursprünglich kommt die politische Unterscheidung in Rechts-Links-Spektren aus der französischen Nationalversammlung 1789. Rechts saßen die Freunde der Monarchie, links die Republikaner.

Wer wofür steht, wer was zu verantworten hat, was da recht und richtig, was falsch ist, sei dahingestellt. Die französische Revolution kam jedenfalls nicht aus dem Nichts; es bestand da ein absurdes Verhältnis zwischen Adel und Volk.

Rechts war (und ist! Anders ist das Selbstbild zb der Werteunion nicht zu verstehen), mit bestem Wissen und Gewissen, „elitär“. Viele Strömungen des Liberalismus sind es auch. Man findet eine Ungleichheit in der Gesellschaft richtig und wichtig. Das sporne an zu Leistung und fördere die Ausbildung von – eben – Eliten, welche die Geschicke dann lenken. Freiheit wird in diesem Zusammenhang als das Recht zur freien Entfaltung angesehen. Was ich als nichts anderes verstehe denn als ein „Recht des Stärkeren“. Dass ´Talent´ dem widersprechend dann auch Herkunftssache ist, weil besser ausgebildet wird wo besser verdient, wird hingenommen. Ein in-/akzeptables Maß an Ungleichheit ist nicht definiert.

Links war, und ist, „egalitär“. Alle Menschen sind gleich, allen dieselben Rechte. Keine Gruppe darf systematisch benachteiligt werden. Keine Gruppe darf dauerhaft über eine andere herrschen.

Egalité! Ganz klar! Was sonst. Die Freiheit des einen hört bei der des anderen auf.

Dies ´rechts-links´-Schema bildet nur einen Bruchteil ab. Ich stehe in unterschiedlichen Aspekten auf unterschiedlichen Positionen dieser schlichten Skala. Es wollen sowieso alle ´Mitte´ sein. Dabei geht es auch um die, die am Rand stehen, oder außerhalb. Die gar nicht reinkommen – dürfen.

Die Rechten wollen nicht mehr rechts heißen. Die Linken nennen sie aber gerne links. Wenn es von ganz rechts kommt, sind´s oft Tiernamen aus dem Reich der Gattungen, die die Menschen schnell als Plage empfinden. Das kann nur den einen Grund haben: man IST gar nicht republikanisch gesinnt. Man ist eigentlich elitär und empfindet das Ende der Monarchie – und wenn es nicht König heißt dann halt Führer oder was in der Art – jedenfalls ein feststehendes Oben und Unten – als einen großen Verlust. Und die, die das Untere auch mal nach oben holen und das Obere nach unten, die für maximalen Chancengleichheit eintreten, die sind dann Plage und Gefahr.

Und dann fragt man sich, woran die Demokratie krankt. Daran! Daran, dass Leute gar nicht verinnerlichen wollen, wofür sie angeblich stehen.

Was ist so verwerflich am Links-sein? Sozialen Ausgleich zu wollen, ist erstmal nicht aggressiv. Und linksextrem ist auch nicht gleich rechtsextrem. Natürlich gibt es Leute, die hin und her switchen zwischen beidem. Ich kenne welche. Das ist aber weniger politisch als Wesenszug. Die brauchen den größtmöglichen Aufruhr. Bei denen, die eine politische Haltung haben, ist es anders. „Extrem“ drauf sein übersetze ich mal mit „notfalls mit kaputtmachen“. Aber bei den Linksextremen sind es Sachen, bei den Rechtsextremen Menschen. Das ist ein großer Unterschied. Und damit will ich nicht relativieren. Ich bin nicht für ´extrem´. Ich bin für konsequent und mutig. Es gibt bessere Wege. Ausgleich. Teilen. Integrieren. Es haben nicht alle denselben Weg hinter sich, deshalb kann man trotzdem an einem Tisch sitzen.

Es geht um Krieg oder Frieden. Der Weg zum Frieden geht über Frieden. Und das schließt Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, alles mit ein. Welchen Preis ist man bereit, für den Frieden zu zahlen. Frieden gibt es nicht umsonst. Wie die Kriege auch nicht. Einige verdienen sogar gut daran. Dem Rest erzählt man, dass die Kosten durch wirtschaftliche Vorteile aufgewogen würden. Demnach wird der Krieg von alleine und von anderen bezahlt; vom Gegner, ´danach´. Das schließt den nächsten Krieg gleich mit ein. Frieden kostet vorher, und den Preis bezahlt man selbst. Alle bezahlen. Etwas. Und alle gewinnen – den Frieden. Das ist immer billiger.

Die Afd wird im Osten vermutlich stärkste Kraft, und die CDU beschwört einen Linksrutsch. Gute Güte. Da muss man mal drauf kommen. Für Laschet stand die SPD immer „auf der falschen Seite“, in Wirtschafts – und Finanzpolitik. Mindestlohn und Grundrente – falsche Seite. Verhinderung von Transparenzregeln in der Korruptionsbekämpfung, Verhinderung einer Vermögenssteuer für große Vermögen – richtige Seite. Ah ja. Wer viel Geld für viele Aktien hat, hält öfter auch welche der Rüstungsindustrie im Portfolio, oder die von großen Konzernen, die es mit der Fairness eher lax handhaben und denen Nachhaltigkeit hinderlich ist. Da mag man anders wählen.

Aber bitte, diese Panik vor einem Linksrutsch – die ist lächerlich.

Fürstliche Aussichten

Über die Hohenzollern

Kulturprogramm während der Ferien. Man kann zu diesen ganzen Adels – und Königsgeschichten stehen wie man will, aber die Burg Hohenzollern sollte man schon mal besucht haben. Finde ich. Wenn wir an den Stausee fahren, sehen wir sie von Weitem. Wenn wir die Sicht von der Alb genießen, liegt sie vor uns – sie ist so nah und aus der deutschen Geschichte nicht wegzudenken. Was schade ist. Eine tolle Figur, finde ich, machen die Hohenzollern nicht.

Mein Blick mag da etwas verengt sein. Ich bin nicht monarchistisch geprägt. Macht gibt es, und vielleicht ist der Gedanke, es gäbe einen König, eine Königin, die treu und fürsorglich regieren, nicht ganz abwegig. Aber so war und ist es eben nicht. Königshäuser sind sich selbst spürbar die nächsten und kümmern sich allem voran um das eigene Wohlergehen und den Machterhalt, und das bisweilen recht skrupellos. Was andere dafür zu leiden haben wird sehr großzügig zu eigenen Gunsten ausgelegt, und dann kann anders als in einer Demokratie keiner fürs Leiden verantwortlich gemacht werden. Das muss einfach gelitten werden. Da sind die Hohenzollern keine Ausnahme. Im Gegenteil.

Als Kind derselben Zeit ist Georg Friedrich Prinz von Preußen mir der präsenteste. Und er macht es mir leicht, an ihm meine ganze Ablehnung, meinen Abscheu festzumachen. Mich gruselt, wenn ich mitverfolge, wie er sich gebärdet.

22 Euro war mir der Burgbesuch wert, so hoch ist der Preis für eine Einzelkarte ´Erwachsener ohne Ermäßigung“. Kinder im Grundschulalter sind frei….

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