Luxusprobleme II

Über das Wie und Woher der Saunahitze mache ich mir beim Schwitzen zugegeben keine Gedanken. Sollte ich vielleicht mal. Die Ökobilanz meiner liebsten Saunalandschaft –

Dabei habe ich mit Verzicht kein großes Problem. Man kann mit sehr viel weniger auch sehr glücklich sein. Ist ja wie bereits erwähnt alles relativ. Aber derzeit stecke ich mitten drin in dem Kreislauf von Produktion und Konsum, von Geldverdienen und – ausgeben. Work – life will gebalanced sein. Selbst wenn jede Aufgabe, jede Arbeit, alles was ich tue und wofür ich zuständig bin, wenn alles noch so sehr Spaß macht – wenn ich mich angestrengt habe, will ich auch wieder locker lassen dürfen.  Arbeit ohne Müßiggang kann´s auch nicht sein, und kein Müssen ohne Dürfen.  

Es ist immer ein Abwägen.  Ich verteile imaginäre Punkte und rechne Pluspunkte gegen Minuspunkte auf, und ich rechne so, dass eine ausreichende Portion Freude  drin liegt. Ich fliege nicht, ich fahre kaum Auto, ich esse wenig Fleisch, wenn, dann nach Möglichkeit Bio, ich lasse so manches Schnäppchen liegen, weil mir Raubbau und Missbrauch schon daraus entgegenschreien. Aber ich kaufe noch immer viel zu viel Plastik, einfach, weil die Sachen, die ich will, in Plastik verpackt sind und ich aus dem Einkaufen weder Marathon noch Wissenschaft machen will, und weil ich denke, was gesetzlich reguliert werden kann, sollte auch so reguliert sein.

Wenn es in ´meinen´ Läden Shampoo meiner Preis – und Gütekategorie in Glas gäbe, würde ich das kaufen. Solange ich dafür zwei Kilometer laufen muss, halt eher nicht.

Da fällt mir das Klimapaket ein, das einem die Tränen in die Augen treiben kann.

So ja nun gerade NICHT.

Gas, Öl, Benzin, Kerosin – Die Mobilität wird teurer. Und das ist noch nicht mal so daneben. Stellen wir uns um! Gerne! Let´s do it.

Aber wo bleibt das Umstellen? Alle zahlen ein bisschen mehr fürs Fortbewegen, und für die einen ist dies bisschen viel, für die andern wenig, und gewonnen ist nichts außer viel Ärger und Frust.  Und die Prioritäten sind dieselben, one man – one car, big man – big car. Es bleibt beim Auto. Keine neuen Angebote für den öffentlichen Personenverkehr, keine Radkultur, die Spaß macht, kein Wursträdle weg von der Massentierhaltung. Wieder nur kleinste, feigste Schrittchen, damit keiner, der vom Klimaerwärmen gut lebt, Einbußen zu beklagen hat und auch das Stimmvolk nicht sofort verprellt ist. Ich hatte gedacht, Firmen bekämen neue Vorgaben. Ich hatte gehofft, Leute mit SUV bezahlten, und die mit Drittwagen und die mit Privatjet und die mit einem halben Dutzend nobelster Wohnsitze. Anteilmäßig verteilt. Jeder wie er kann.

Pustekuchen.

Dabei hatte ich es gerade gelesen. Es gäbe ja Wege.

„Alles auf einmal“,  von Uwe J. Heuser, in der ´Zeit´ vom 29.August. Echt lesenswert.

Es könnte gehen. Man muss nur wollen. Man muss sich nur getrauen.

https://www.zeit.de/2019/36/klimarettung-wohlstand-steigerung-landwirtschaft-fleischkonsum-geoengineering

Der Link führt auf eine Seite, die – zumindest ich – nicht öffnen kann ohne Abo. Hab ich aber keins. Ich hatte mir die Zeitung gekauft. Drum hier eine kleine Zusammenfassung.

Jeffrey Sachs: …“ Mitte des Jahrhunderts dürfe die Menschheit das Klima nicht mehr belasten.“…. “Das darf die Weltwirtschaft nicht kaputtmachen, es darf die fünf Sechstel der Menschheit nicht stoppen, die beim Wohlstand aufholen, und es darf dem wachsenden Wohlergehen für alle nicht im Wege stehen.“ Und das koste  „vielleicht ein Prozent des Volkseinkommens.“ 

…..“Bahn, Autos und Gebäude mit Heizung und Kühlung müssten voll elektrifiziert werden. Für Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe müssten rasch Lösungen ohne das Treibhausgas CO2 entwickelt werden, ebenso für die Stahlindustrie, die Zementindustrie und Teile der Chemiebranche“….“Die Zahl der Aufgaben sei übersichtlich; zusammen nur zehn Punkte“.

Die Technik weist die Richtung, die Politik folgt. 

„Die Nationen könnten den Klimawandel nach wie vor noch rechtzeitig bewältigen und auch ihren Wohlstand erhalten – ja sogar steigern. Allerdings dürfen sie sich dabei nicht mehr so viele Fehler erlauben. Vor allem Europa nicht, das seit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert sämtliche Vorteile der Treibhauswirtschaft genossen und deren Kosten auf dem Planeten abgeladen hat. Die Europäer waren es, die jenes verheerende Produktions – und Konsummodell schufen, das die anderen Nationen verführte. Anders als die Vereinigten Staaten fördern sie heute kaum noch Öl und Gas und haben daher auf dem Weg zu einer klimaschonenden Wirtschaft weniger zu verlieren. Egal also, ob man es moralisch oder pragmatisch betrachtet: Wenn Europa nicht bald demonstriert, dass es auch anders geht, dann wird es niemand tun. Von hier aus muss das neue Denken wie eine Welle um die Welt gehen.“

Solche Sätze liebe ich.

Und Hoffnung gibt es auch:

Der Kapitalismus sei geeignet für schnelle große Veränderungen. Die ´Zeit´: „Radikaler Wandel wirkt immer unmöglich – bis er geschieht.“

„Verteilt über die Kontinente ist eine kleine Forscher-Armee dabei, die Blaupause für die Klimarettung zu entwerfen. Was sie brauchen, ist ein fairer Wettbewerb mit den herkömmlichen

und schädlichen Techniken, die vielfach – auch in Deutschland- noch subventioniert oder von starken Lobbyisten und ihren Lieblingspolitikern gehätschelt werden.“…..“Das Klima ist ein Jahrhundertproblem. Normalerweise setzen Staaten aufs Begrenzen und Verbieten. (eigene Anmerkung: und aufs Kosten abwälzen) – oder auf Innovation. Für dieses Entweder-oder ist es nun zu spät. Diesmal müssen ganze Gesellschaften beides verbinden. Erst dann entsteht eine Klimabewegung, die sich selbst verstärkt.“

Alles auf einmal. Der Industrie, und überhaupt allen Emissionären der Treibhausgase  Grenzwerte und Vorgaben  auferlegen, dabei tatsächliche Kosten berücksichtigen. Und neue Technologien fördern, welche die alten klimafreundlicher ersetzen, und die Schäden und Verschmutzungen beheben.

Nochmal aus dem Artikel der ´Zeit´:

„Außerdem koste der  Klimaschutz zwar insgesamt nicht viel, käme jedoch einzelne Gruppen  wie die Kohlekumpel und Ölförderer, Großbauern und Schwerindustrielle durchaus teuer zu stehen. Und auch klimafreundliche Lösungen entfalten auf Dauer unangenehme Nebenwirkungen und provozieren Widerstände. So schneiden etwa Windräder nicht bloß ins Landschaftsbild, sie sind auch schwer zu entsorgen. Die Produktion von E-Autos braucht extrem viel Energie und ist auf die umstrittenen seltenen Erden angewiesen. Zwar alles lösbar – aber zunächst ein Grund zu zaudern. Denn: nichts im Klimaschutz ist so leicht, wie es aussieht. Was umgekehrt heißt: Wenn die Nationen Wohlstand und Klima erhalten wollen, müssen sie mehr tun, als einzelne wohlformulierte Pläne fordern.“

So sieht´s aus!

Und nicht bei jeder neuen Regel anfangen zu heulen.

Die hiesige Tageszeitung titelte jüngst „Die Grünen als Spielverderber“. Weil Niedersachsens Grünen-Chefin fliegen gelassene Luftballons verbieten möchte. Also nicht die Deko beim Kindergeburtstag oder dem Tag der offenen Tür, sondern die, die in den Himmel aufsteigen, irgendwo wieder runterkommen, und dann als Müll in der Pampa liegen. Die Uni Tasmanien hat untersucht, dass jeder fünfte Vogel, der Ballonteile frisst, daran stirbt. Und weshalb auch immer – aber der Vogel weiß nicht, bis er gefressen hat, dass das nicht zum Fressen war.

Und jetzt schimpft Herr Theurer von der FDP, das sei kleinteiliger Verbotswahn. Und obwohl er es anders meint und eine Ökodiktatur heraufdämmern sieht,  hat Herr Theurer Recht.  Jeder Müll in der Natur gehört verboten. Ballons, Papier, Plastik, alles.  Es braucht nur ein einziges Gesetz, und das gilt, für Ballons und alles andere auch: „Kein Müll in die Natur!“ Fertig aus.

Ich find´s ganz selbstverständlich.

Ich staune ja sowieso  immer, mit welcher  Chuzpe man irgendwas einfordert und/oder verteidigt, weil es ja nur ein paar Vögel sind, die verrecken, oder nur eine bedrohte Insektenart endgültig zugrunde geht.  Oder man mokiert sich, wieviel Geld ausgegeben wird, um zb die Frösche auf ihren Wanderungen vor dem Überfahren-werden zu bewahren.

Ja klar tut man das. Man schützt die Natur. Wie kommt man bloß auf die Idee, man kann sich so einfach über sie hinwegsetzen? Bloß weil die Vögel sich keinen Anwalt nehmen und auf Schmerzensgeld verklagen können. Oder weil die Frösche keine Wahlzettel ausfüllen.

Und ich finde auch kleinkariert, Spaß und Lebensqualität von Luftballons abhängig machen zu wollen. Man hat sie schon steigen lassen und es war hübsch. Aber kein Menschenglück darbt, wenn man es nicht tut.

In dem Artikel in der ´Zeit´ ist Kopenhagen beschrieben, wo auf einer Müllverbrennungsanlage Ski gefahren wird. Kopenhagen scheint überhaupt eine Stadt zu sein, die vormacht, wie´s geht.  

Auch in Spaß und Lebensglück kann man umstellen.

Wenn die Ökobilanz zu schlimm ausfiele, dann würde ich auch auf Sauna verzichten. Schweren Herzens, aber ich würd´s tun. Vielleicht ließe mich die Gewissheit, dass da nun eine echte Umstellung im Gange ist, besser schlafen, und dann hätte ich auch die Energie für einen klimafreundlichen Spaziergang stattdessen.

Ach, und vielleicht binde ich mir wie in Holland Blumen ans Rad. Nur weil´s der Freude dient.

Balkongespräche

Ich sitze in der Stadt, still und nichts tuend, und kann nicht anders, als ein Gespräch mitzuhören, das nebenan stattfindet, wo offenbar eine kleine Balkonparty stattfinden soll, die aber deutlich Start – und offenbar auch andere Schwierigkeiten hat.

Es geht ausgiebig um ´was es wo zu kaufen gibt´, über Malle und einen Urlaub in der Türkei, den der viel sprechende junge Mann, Sohn der Gastgeberin, im letzten Jahr erlebte. Beschwert hat er sich dort, weil es Risse in Fließen gab und irgendwas tropfte, und auch sonst  war es „gar nicht vom Feinsten“ und „Luxus pur“, wie er das von 5 Sternen doch erwartet hatte. Und ich denke, ´hey Mann – türkische Sterne! Mit türkischen Standarts´. Worüber regt er sich denn auf? Er erzählt von Pool, Bar, gedecktem Büffet und Meer vor der Haustür, alles zusammen zum Schnäppchenpreis. Daheim ist man doch auch kein Krösus. Wo also liegt das Problem?

Im Verständnis!

Über die Klimaschützer regt er sich auf. Da wird er richtig brutal.  Die will er alle tot sehen. Die hiesige Gastronomie regt ihn auf; ´Bruchbuden´, ´Absteigen´, ´Löcher´ , findet er, sind´s.  Wohlgemerkt,  ein Hochwohlgeborener und Besserverdiener spricht da nicht, sondern einer mit ganz banaler Maloche. Und dann natürlich Merkel. Über DIE muss man sich RICHTIG aufregen. Die muss weg, und mit ihr alle ihre Kumpanen, und auf jeden Fall die, die sie ins Land gelassen hat, und alle, die irgendwann mal irgendwas gut fanden von ihr.

Und immer wieder geht´s um die Gäste, die eingeladen sind und nicht kommen oder zu kurz bleiben. Man sitzt zu viert, gedeckt ist für ein Dutzend und mehr. Die Party ist ein Flop.

Und das ist das Einzige, das mir an dem unfreiwilligen Lauschen gefällt.

Ist doch tröstlich, wenn manch ein Blödsinn und manch eine Rohheit allein steht.  Wenn dann die Gäste wegbleiben.