Gedanken zum und am 8. März

Bin ich also ein Gutmensch.

Manchmal lasse ich mich auf Facebook -Diskussionen ein. Meist vermeide ich es oder blockiere solche Posts.  Weil sie so ätzend sind und das Diskutieren darüber so müßig. Und weil es sich halt auch scheiße anfühlt. Manchmal mach ich´s. Weil ich etwas nicht so stehen lassen will und den Nerv übrig habe, meine Wohlfühlblase zu verlassen.

Diesmal war es eine Fotomontage,  eine auf den Betrachter zu fliehende Menschenmenge und darüber der Spruch, bald müsse man selbst flüchten.  Darunter zig Kommentare, bei denen einem übel werden konnte.  ´Wir´ und  ´die´. Die nichts schaffen wollten, die kriminell seien, und wir, die wir so fleißig seien, es verdient besser hätten, die wir nichts zu sagen hätten – dieser ganze Rotz. Mir dreht sich da der Magen rum, und ich will eigentlich bös werden. Aber das bringt auch nichts. Also deutlich, aber höflich gehaltene Kommentare und Richtigstellungen meinerseits. In dem Zusammenhang eben dann der ´Gutmensch´ und ob ich einen Teddy wollte.

Danke. Ich habe einen.

(Eben wollte ich ein Foto von diesem Kommentar  machen, so eine Art Auszug aus einem screenshot. Da war der ganze Post weg. Ich habe nachgefragt und erfahren, dass er auf Mahnung von Facebook entfernt wurde).

Also einmal ´wir´.

Wir haben in all diesen globalen Deals Vorteile auf unserer Seite und nutzen und genießen sie.  Wir  genießen Wohlstand und Frieden und eine Gesellschaft, die uns weitestgehend sein lässt was wir sein wollen. In Kriegen wird geraubt und vergewaltigt, und das systematisch,  das machen alle Kriegführenden so, und je länger jemand damit lebt oder aufwächst, je mehr lernt er das. Und wir produzieren fleißig die Waffen, mit denen anderswo Krieg geführt wird.  Wir machen Profit und halten den Wohlstand für verdient. Ja haben denn die, die da in Not sind, ihr Los ebenfalls verdient? Das unterstellen wir damit doch. Nein!  Und  wir drehen uns weg, wenn wir mit den Folgen  unserer Privilegien konfrontiert werden und bilden uns noch ein, was Bessres zu sein.

Das ist absolut ekelhaft.  

Und es sind nicht nur die krätzigen Rechten, die sich daran noch laben. Wir sehen alle zu wie Leute an der Grenze zur EU um ihr Leben ringen. Wir sehen zu und getrauen uns nicht das Richtige zu tun. Aus Angst vor den krätzigen Rechten. Oder aus Feigheit, weil wir Angst haben was zu verlieren.

Verlieren kann man immer was. That´s life. Deshalb müssen wir uns doch aber nicht vor Angst in die Hosen machen. Wir sind doch fleißig, und schlau! Außerdem haben wir im Überfluss und können abgeben, ohne dass irgendwer hier Not leiden müsste. Und wer sagt überhaupt, dass immer dieselben die Reichen sind? Oder die Mächtigen. Gibt es da ein göttliches Recht oder was?

Das ist rassistisch, wenigstens feudal. Wie dieser abgebrührte Kaiserenkel, der Besitztümer zurückfordert und Wohnrechte und ernsthaft denkt, das wäre ehrlich erworben und stünde ihm zu, als ´Enkel von´, einem wohlgemerkt, der am Drücker war, als ein ganzer Kontinent und eine ganze Generation dem Erdboden gleich gemacht wurde, und als Neffe von einem, der beim nächsten noch schlimmeren Kriegen und Treiben auch auf der Seite der Macht war. Dieser Enkel lässt sich noch als kaiserliche Hoheit anreden und will Schlösser zurück. Geht’s noch? Soll dankbar sein, dass es ihm noch so gut geht, dass es zu goldenen Wasserhähnen und diesem ganzen restlichen herrschaftlichen Luxus  reicht.

Solche Machtfülle und solcher Reichtum ist NIE ehrlich verdient. Kann es nicht sein. Es gibt keine Stundenlöhne, mit denen man es aus eigener Kraft zu Milliarden bringen. Das ist immer auch Ellbogen und Hartherzigkeit, und  die Rücken anderer. Und wenn man am Schreibtisch sitzt und Geld aus Geld macht, dann auch. All das ist Schläue, keine reale Leistung.

Schlau darf man sein, zweifellos. Das ist eine Gabe. Aber wer sagt, dass sie berechtigt alle anderen aufs Kreuz zu legen, Leute, die andere Talente haben?

Teilen. Einfach helfen.

Hier wird gefastet. Und bis in ein paar Wochen gedenkt man Kreuzigung und Auferstehung und so, für den, der für uns gestorben ist. So heißt´s. Ich will überhaupt nicht, dass wer für mich stirbt. Keiner, damals nicht und heute nicht.  Ich will meine Nächsten lieben und auch die weiter weg und überhaupt den ganzen Planeten. Jawohl, so ein Gutmensch bin ich. Weil – was ist denn das Gegenteil davon? Wie lautet das? Und ist das etwas, das man ernsthaft und guten Grundes wollen kann?

Ich sähe gerne, wenn Rottweil  zum sicheren Hafen würde. Ich bin sicher, wir hätten gewonnen. Weil man einfach das Richtige tut und nicht verkorkst das Egoistische verteidigt.

Einfach das Richtige tun. Weshalb tut man sich damit so schwer? Und weshalb mitunter gerade die, die Recht und Ordnung und Werte und all das so plakativ vor sich hertragen?

Frieden wollen heißt nicht nur, aber auch, bereit sein zu teilen.

Und zum internationalen Tag der Frauen

In Portugal ist der ganz klasse. Da ist Feiertag und der ganze weibliche Teil einer Familie, alle Generationen und Verwandtschaftsgrade, feiern miteinander.  

Ich war gestern mit den Freundinnen weg.

Wir haben einander Neuigkeiten erzählt und allerhand beratschlagt. Es ging unter anderem  um Frauen im Job, und Männer dazwischen, die streiten, und Frauen, die den Streit übernehmen und einander nicht beistehen. Und es ging darum, welche davon als Feministin gelten und weshalb. Es ging um die Frage „Was ist für uns Feminismus“.

Selbstbestimmung, klar. Und Gleichheit aller. Und Solidarität. Feminismus bedeutet, dass Frauen einander beistehen.

An der Grenze zu Griechenland sitzen auch Frauen fest, im Matsch, und Mädchen, und Mütter, die ihre Kinder auch in Frieden und Geborgenheit großziehen wollen, Frauen, die jetzt auf offenem Feld schlafen, zwischen Männern, die auch nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.

Seien wir solidarisch. Helfen wir.

2 Gedanken zu “Gedanken zum und am 8. März

  1. Stadtschreiberin März 8, 2020 / 8:47 pm

    Wieder so weise Worte…. „Und zum internationalen Tag der Frauen… In Portugal ist der ganz klasse. Da ist Feiertag und der ganze weibliche Teil einer Familie, alle Generationen und Verwandtschaftsgrade, feiern miteinander.“ Heute am Internationalen Tag der Frauen waren (sind!) meine beiden Töchter (24 und 20) da, unverabredet. Ich wollte mit der Älteren ins Kölner Rathaus, hier spricht am Frauentag traditionell die Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Eintritt frei, es gibt ein buntes Programm, Lesungen, Workshops, Musikaufführungen usw. Nur leider wurde der Frauentag von der Stadt Köln auf den Samstag vorverlegt. Wahrscheinlich hatte man zu spät begriffen, dass Schaltjahr ist und deshalb der 8.März nicht auf einen Samstag, sondern auf einen Sonntag fällt. So doof. Wir sind zu Hause geblieben und hatten Spaß, auch gut. Allen und vor allem Beate gute Wünsche zum Frauentag!

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    • rottweilistueberall März 8, 2020 / 10:11 pm

      Besuch von den Töchtern – auch gut. 🙂 Schade um das Programm im Rathaus. Aber daheim ist´s ja auch schön. Ich bin auch den ganzen Tag daheim geblieben und habe im Radio lauter Musik von Frauen gehört.

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