Das Fest der Liebe und des Friedens

#krieg #frieden #israel #gaza

Das Mädel hat das Friedenslicht geholt, in Stuttgart. Das ist so ein Pfadfinderding. In Bethlehem werden Kerzen am Ewigen Licht in der Geburtskirche entzündet, und von dort wird die Flamme in alle Welt getragen. Die Pfadfinderstämme dieser Region holten das Licht in Stuttgart ab. Es leuchtet jetzt bis Dreikönig am Würstchen-Crepes-und-Punsch-Stand am Alten Rathaus. Es muss ein berührender, kindgerechter Gottesdienst gewesen sein und ein erlebnisreicher Ausflug, Und es ist ein inspirierender Gedanke.

Es fühlt sich ein wenig an wie Hohn, in diesen Tagen – „Frieden“. Zumal der Ruf nach ihm schnell zurückschlägt und einem vorwurfsvoll um die Ohren fliegt. Wer in Kriegszeiten gegen Krieg ist, gilt als illoyal und Verräter*in. Und immer wieder wird betont, dass Europa nun schon eine sooo lange Zeit Frieden hat. 78 Jahre. Das gilt als lang. Und das wiederum bedeutet, Krieg gilt als Normalzustand. Es muss jeder Mensch durchschnittlicher Alterserwartung damit rechnen, mindestens einen Krieg im Leben zu erleben. Und da zweifle ich dann am menschlichen Verstand, und natürlich an der Kompetenz der Politik, egal welcher Art sie geschaffen ist, ob demokratisch oder nicht, ob religiös oder säkular, ob kapitalistisch oder sozialistisch, ob männlich oder weiblich. Es scheint keinen Unterschied zu machen. Krieg ist im Konflikt das Mittel der Wahl, und ich finde ihn fast immer die schlechteste aller Lösungen.

Das Fest der Liebe. Von Liebe und Friedfertigkeit geführt. Das würde Verzeihen beinhalten und auch Verzicht. Wenn diese Bereitschaft uns tatsächlich leiten würde, wie anders könnte unsere Welt aussehen. Es gilt ja eher als Luxus, wenn man anmahnt, dass die Gesellschaft, und also auch die Politik, solchen Geboten folgen soll. Wenn man die Message ernst nimmt, ist man im Umdrehen wohlstandverweichlicht.

„Kompromisse sind Lösungen, die keiner will.“ Der Satz fiel neulich in einem Gespräch, in dem es eigentlich um Beziehungsfragen ging. Ich finde ihn immer noch krass. Mag sein, niemand will den Kompromiss. Aber will man das, was entsteht ohne ihn? Ohne Kompromiss geht viel mehr kaputt.  Und gibt es überhaupt ein Recht, immer alles genau so zu bekommen wie man es will? Es steckt doch auch eine Chance in Kompromissen. Vielleicht entdeckt man ja, dass es anders als ursprünglich gewollt ganz wunderbar ist. Es gibt doch mehr als die Vorstellung im eigenen Kopf, und der ist doch lern – und anpassungsfähig.

Kriege, Härten und Unnachgiebigkeiten mögen ihre Rechtfertigung haben. Richtig sind sie deshalb nicht zwangsläufig.

Ich empfinde eine tiefe Schuld gegenüber allen Juden und Jüdinnen, eine persönliche auch, weil ich auch in der eigenen Familie feststelle, dass mit vielem doch sehr unreflektiert umgegangen wurde und wird, und dass meine Reaktion beileibe nicht immer die war, die sie hätte sein sollen. Ich empfinde diese Schuld auch gegenüber Israel. Die von Angela Merkel erklärte Staatsräson trage ich mit. Ich gehe davon aus, dass die Gründung Israels sehr unter den Eindrücken des Dritten Reiches stand. Es gab Bestrebungen zur Gründung eines jüdisch geprägten Staates schon vorher, aber wie die dann vollzogen wurde, war ganz bestimmt auch diesem gerade überlebten Horror geschuldet. „Jeder Mensch braucht eine Zuflucht.“  Auf die arabische Bevölkerung im Land wurde in dem Moment wenig Rücksicht genommen. Das ist nachvollziehbar, aber ein Problem mit schlimmen Konsequenzen. Und das führt dazu, dass ich auch eine Schuld gegenüber diesen Leuten empfinde; eine Schuld, die ohne mein Zutun und ohne meinen Widerstand wächst. Der gegenwärtige Krieg tut mir unfassbar leid, und ich kann es nicht richtig finden.

Ich habe – in seriösen Medien – über den Krieg in Gaza gelesen. Die Hamas ist ein Übel, deren Wirken gestoppt werden muss. Der Angriff am 7. Oktober ist entsetzlich und durch nichts zu rechtfertigen. Trotzdem sind die allermeisten Leute in Gaza ganz normale Leute, die ihre Leben leben und ihre Kinder in Frieden großziehen wollen. Der israelische Verteidigungsminister Gallant sprach zu Beginn des Kriegs von „menschlichen Tieren“, und ein ehemaliger Angehöriger von Netanjahus Likud-Partei, der mittlerweile eine eigene Partei gegründet hat, sprach davon, dass Gaza Dresden werden müsse. „Löscht Gaza jetzt aus. Was die Bevölkerung in Gaza erleidet, scheint in diesem Sinn zu geschehen. Den Leuten dort lässt man eigentlich keine Chance.

Israel ist, und das ist gut so. Jeder Mensch braucht eine Zuflucht. Betonung auf „jeder“. Ein Staat, der gedeihen will, braucht gute nachbarschaftliche Beziehungen. Man müsste diese Sätze irgendwie zusammenbringen.

Das Dritte Reich hat ganz neue Kategorien des Grauens geschaffen und Grenzen menschlichen Handels gesprengt. Und dies Grauen ist erst beendet worden mit sehr viel Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Man hat in Schutt und Asche gebombt. Das war ein schreckliches Ende. Ich bin dennoch froh, dass es ein Ende war. Die Kategorien und Maßstäbe des Dritten Reiches sollen niemals und nirgends gelten.

Hin wie her, ob von der Hamas oder von Israel, in Bezug aufs Dritte Reich oder ohne – es wird das eine Grauen nicht durch ein anderes richtig. In Kriegen sind alle beides – Opfer und Täter, unschuldig Leidende/r und Schuldige/r. Es wird jetzt über eine Feuerpause beraten und über die Errichtung eines Flüchtlingslagers im Norden des Gazastreifens. Das ist gut. Trotzdem braucht dieser Konflikt eine Lösung, nicht noch mehr Grauen und Schuld und Horror und Leid. Freilich steht mir gerade nun kein Urteil zu. Was soll ich, Enkelin deutscher Großeltern, die nicht im Widerstand waren, mit Moral daherkommen. Ich kann nur dastehen und es schrecklich finden.

Eigentlich müsste man das Friedenslicht auch wieder zurücktragen und überall verteilen.

Alles, denen es vergönnt ist, ein Frohes Fest.

Der Stand der Pfadfindergemeinschaft Sankt Georg steht am Alten Rathaus bis Dreikönig. Von 10.30  bis 19 Uhr gibt es Crepes, Wurst, Glühwein und Punsch. An Sonn – und Feiertagen ist die Hütte geschlossen.

Rock around the christmastree

Party in der Apo. Ich war zum Geburtstag einer ehemaligen Chorfreundin  eingeladen, sie ist Lehrerin. Im Nebenzimmer spielte eine Band, anscheinend ebenfalls alles Lehrer. Die Lehrerdichte  war an diesem Freitag, dem letzten Schultag, in der Apo enorm hoch.  Die Band war prima, spielte geübt und souverän Rock und Pop aus mehreren Jahrzehnten, ich würde dafür eine glatte Eins-bis-Zwei geben, ohne pienziges Gemaule wofür die halbe Note Abzug. Eins-bis-Zwei ist super, die kann man so stehen lassen, das weiß ich von meinem Sohn, der darauf auch besteht. Und vom anderen Ende aus gedacht geht die Überlegung nicht um Abzug vom Ideal, sondern vom Gewinn gegenüber des kompletten Nichtkönnens. Eh viel sympathischer.

Tanz- und Raucherraum waren eins, die Luft war zum Schneiden, die Band klagte dezent und auch ich dachte „wäre das geil, wenn man jetzt noch frei atmen könnte “. In der Diskussion um ein erweitertes Rauchverbot in Kneipen stehe ich zu meiner eigenen Überraschung diesmal nicht eindeutig und  klipp und klar auf der Seite der Gegner.  Ich rauche nicht, aber ich will auch nicht gerne verbieten.

Wie auch immer es kommt – erstmal  musste frau durch, und hin und wieder ging es eh zum Luftschnappen.

Die Schlange vor dem Frauenklo war lang, es gibt mehr Lehrerinnen als Lehrer.  Aber das kann ja sehr unterhaltsam sein. Während des Wartens unterhielt ich mich mit einer Peruanerin, die seit zwei Jahren in Seedorf wohnt, wo der Peruaneranteil offenbar aussergewöhnlich hoch ist, was ich nett finde, und ich erfuhr, dass ´Cholà´ – so oder so ähnlich – das ´Ch´ kratzig im Hals gesprochen – ´Schlange´ heisst und auch auf Spanisch für Warten steht. So zumindest habe ich das verstanden.

Gestaunt habe ich, als aus einem der Kloabteile – es gibt zwei – zwei Mädchen herauskamen. Okay.  Kenn ich von früher. Und ich dachte, „jetzt aber!“ –  aber dann dauerte es und dauerte, und ich stand so und wartete und wunderte mich, und dann kamen nochmal zwei, und ich war baff, wie viele Mädchen in ein so enges Abteil  passen  und wie sie sich so halten – die Freuden des  Mädchengemeinschaftspieselns.

Ich bleibe dabei – ich weiß ich weiß ich weiß, keine Verallgemeinerungen – trotzdem – Ausnahmen sind stets  gerne gesehen – Frauen machen die bessere Party. Männer rauchen und blockieren mit breiten Rücken und aufgestellten Ellbogen den Weg zur Theke. Es tanzen  die Frauen, und wenn ein lautes Lachen die Musik durchdringt, dann ist es ein weibliches.

Das heißt –  nicht ganz. Zu später Stunde tanzten drei junge Männer ähnlich wie die Mädels zusammen im Kreis, hielten sich bisweilen an den Händen, umarmten sich und genossen sichtlich ihre  Nähe und Verbundenheit. Bei den jungen Jungen geht das offenbar mittlerweile.

Ich tanzte mich müde. Als ich daheim war, war es deutlich später als geplant. Aber egal. Das war ein toller Auftakt in den Weihnachtszauber.

Allseits frohe Weihnachten. Merry X-mas. And don´t forget to rock around the  christmastree.