Betrachtungen aus dem Paradies

„Wie kommt Ihr mit all den Krisen klar?“ Eine Frage auf Twitter. Tja, was soll ich da antworten. „Gar nicht! Eigentlich.“ Ich würde gerne besser damit zurechtkommen. Ich ringe um ein Gefühl von Normalität, sehne mich nach festen Rahmen und Strukturen, und weiß doch, dass das in dieser Zeit der Krisen und Umbrüche eigentlich unmöglich ist. Bestenfalls kann es einzelne Momente des Friedens geben. Im Urlaub zum Beispiel. Das Rheindelta ist ein wunderbarer Ort dafür. Aber dann – manche Päckchen nimmt man mit, egal wie viele Kilometer man zurücklegt. Und im Grunde ist es auch einerlei: wenn der Kopf zur Ruhe kommt und sich sortiert anfühlt, genieße ich das, egal, wo ich bin. Da ist das Rheindelta so gut wie der Balkon der Nachbarin, deren Wohnung und Katze ich jetzt hüte, und der Sessel im eigenen Wohnzimmer taugt sowieso. Es geht nichts über Ohrensessel.

Es geht mir wie vielen Leuten derzeit: ich befinde mich in einer Art konstantem Krisenmodus. Auf Dauer ist das ungemein anstrengend. Corona, der Klimawandel mit all seinen Katastrophen, Kriege, Hunger und Not überall auf der Welt, all das kombiniert mit diversen Veränderungen im eigenen Leben, ob großer oder kleiner Natur wird sich weisen, das ist zusammen genommen happig. Nichts bleibt, wie es war. Um auszuhalten braucht es Pausen zwischendurch. Man kann sich nicht ununterbrochen das komplette Gewicht des Daseins auf die Schultern laden. Immer geht irgendwo die Welt unter. Aber es ist nicht leicht, unbeschwert zu sein, wenn man nicht ignorant sein und die Welt nicht ganz aus dem Blick verlieren will. So habe ich ganz nebenbei und ungewollt die Ängste und Nöte mit eingepackt, ganz obenauf, mit dem Handy im Tagesrucksack. Wegschieben fiel mir schon immer schwer, und seit ich Twitter auf dem Handy habe, ist es praktisch unmöglich. Sämtliche Katastrophen dieser Welt auf einen Blick, fast in Echtzeit, mitunter ziemlich überhitzt diskutiert und mit viel Aggression unterlegt. Ich überlege, es wieder zu löschen. Ich finde es sehr spannend, aber ich verstehe sowieso nicht, wie das funktioniert mit den Hashtags und wie man einen Tweet so postet, dass er auch gefunden wird.

Dass mir die Ruhe schwerfallen wird, hatte ich vorher schon gewusst und darum Bastelsachen eingepackt. Die Kinder wünschen sich mehr Pflanzen in der Wohnung, und weil wir wenig Stellplatz haben, sollen es nun Blumenampeln sein, die machen auch Spaß zu knüpfen. In den 80ern war das hip. „Da kannst Du überflüssige Gefühle, sowie Wünsche und Gedanken hineinweben“, sagte eine Freundin. Ich war mir nicht sicher, ob ich den richtigen Knoten drauf habe dafür, aber was soll´s – ein Versuch ist´s wert. Wieso nicht mal die esoterische Ader bemühen. Das Rheindelta am österreichischen Bodenseeende ist ein Paradies ……..

weiterlesen auf

https://www.rottweil-ist-ueberall.de/magazin/topthema.php?conid=155&p=1

2 Gedanken zu “Betrachtungen aus dem Paradies

  1. lachmitmaren August 30, 2021 / 11:29 am

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag! 🥂🎁. Der Urlaub hört sich für mich eigentlich doch sehr schön gewesen an. Ohne Nachrichten wäre er wahrscheinlich noch schöner gewesen … . Zu Afghanistan: Kennst du den Blog von T. Ruttig? https://thruttig.wordpress.com/2021/08/30/afghanistan-aktuelle-lage-ende-der-koedukation-an-den-universitaten-und-kommentar-mit-taleban-reden/
    Ich finde das recht interessant, was er schreibt. Ich bin mir nicht so sicher, ob es wirklich gut sein kann, jetzt die ganze „Elite“ des Landes „vorsorglich“ auszufliegen. Das Land blutet aus und wenn man ihnen dann noch das Geld einfriert, oder mit sonstigen Sanktionen kommt, macht man es für die Menschen im Land alles nur noch schlimmer. Und wie Ruttig schreibt: Die Taliban haben sich viele Brutalitäten erst von den USA abgeschaut.
    Das Land ist sicherlich schwierig. Aber viele dieser Schwierigkeiten exportieren wir vermutlich auch, wenn wir jetzt bis zu 40.000 Menschen ausfliegen wollen. Die USA scheint es sich auch da einfach zu machen, und im wesentlichen nur in „Drittländer“ auszufliegen … .
    Herzliche Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • rottweilistueberall August 30, 2021 / 10:38 pm

      Liebe Maren!
      Danke für den Link. Fand ich sehr gut. Und gar nicht so weg von meinem Bauchgefühl. Der Westen – alle, die dort irgendwie herumoperiert haben – hat Gutes, aber auch sehr viel Übel gebracht, zb miese Strategien angewandt und also hoffähig gemacht – da bräuchte es jetzt wirklich Demut und Hilfe im Sinne des Zu-Helfenden. So sehe ich das auch.
      Sanktionen jetzt noch – billig und blöd.
      Aber ich verstehe alle, die da weg wollen und finde, das sollte ihr gutes Recht sein. Man ist eine Verantwortung eingegangen. Das lässt sich nicht wegwischen.
      Ich bin nicht religiös. Aber das sind so Momente, da würd ich gerne beten können. Ich find´s ganz furchtbar.
      lg Beate

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s