Empören wir uns

Das Reden über den Impfstatus ist so allgegenwärtig wie der Smalltalk übers Wetter. „Bist du schon oder machst du noch?“  fehlt in kaum einem Gespräch. Und meistens verläuft das auch so nonchalant wie Wettergespräche – den einen stört der Regen, der andere beschwört dessen segensreiche Wirkung, jeder geht halt irgendwie damit um, und es ist vollkommen schnuppe, wen was stört und was nicht. Es ist, wie´s ist. Und so könnte man es eigentlich auch sein lassen.

Ich bin frisch geimpft und freu mich richtig. Das finde ich lustig, weil ich Impfen so noch nie erlebt habe. Es war immer Nebenbeisache: weil die Stiko es empfahl und ein Rückblick in die Geschichte zeigte, dass Impfen da Gutes bewirkt hatte, oder weil ich verreisen wollte, oder weil ich Leute kannte, die an just der Krankheit litten, gegen die ich mich also nun impfen ließ und in der Risikoabwägung das Impfen gewonnen hatte. Ein Pieks, ein Stempel und fertig – Impfbuch zurück in die Kiste, und irgendwann ist das Pflaster weg und keiner denkt mehr dran. Noch nie war das ein so heiß gekämpfter Glaubenskrieg gewesen. Plötzlich ist Impfen eine Riesenkiste. Gestern kurz vor knapp ein Anruf, „es klappt doch“, und ich fuhr los, keine Zeit, das Fahrradschloß zu suchen. Die Reinigungskräfte machten schon sauber und schleppten Mülltüten, da bekam ich noch geschwind meine erste Dosis in den Arm. Am Ende war´s mir jetzt ganz egal, welcher Impfstoff es ist.  Der, den ich am Liebsten gehabt hätte, Novavax, den gibt es noch eine ganze Weile nicht, und diese Corona-Geschichte läuft weiter, und so hab ich mich umentschieden  – „ich mach doch“  – und jetzt nahm ich, was es gab. Ich bin ein Herdentier und habe was übrig für Herdenschutz. Und ich bin ein Individuum von robuster Gesundheit. Mir haben weder Krankheiten noch Impfungen bis jetzt groß was anhaben können. Und so, denke ich, wird das auch bleiben. Das Altern wird das seine halt bringen, da kann ich mich jetzt schon drauf einstellen. Wenigstens weiß ich, ist auch mein Immunsystem nicht mehr ganz jung und unerfahren; es wird wissen, was es zu tun hat. Keine große Sache also. Eigentlich. Ist es aber doch. Vorgestern bekam ich Emojis mit klingenden Sektgläsern, und tatsächlich war mir zum Feiern. Und ich bekam andere, empörte und abfällige Nachrichten. Es gibt Whatsapp – und Facebookkontakte, die haben mich jetzt blockiert, entfreundet und sich verabschiedet. Das finde ich krass. Ich habe keinen Druck gespürt, mich impfen zu lassen; keine ChefIn hat gedrängt, keine Angehörige,  keine Freundin. Ich hab´s mir nur anders überlegt. Die ganze Sache verläuft halt auch anders als erwartet. Der Druck, den manche Impfgegner ausüben, den empfinde ich dagegen als ungemein aggressiv, mehr als alles andere. Was soll das denn jetzt! Da ist wer mutwillig am Spalten.

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Ein Gedanke zu “Empören wir uns

  1. Mitzi Irsaj Mai 16, 2021 / 2:06 pm

    Ernsthaft, entfreundet auf Facebook?!? Es kann ja jeder halten wie er mag, aber diese Überreaktionen empfinde ich erschreckend und lächerlich zu gleich. Von mir 💚lichen Glückwunsch!

    Gefällt 1 Person

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