Bäume sind Raufklettersachen

Der zerbroch´ne Krug im Hinterzimmertheater

Fasnet und Premierenwoche zur selben Zeit.

Es hat schon auch Vorteile, getrennt und unter verschiedenen Dächern zu wohnen. Die Fasnet hier, in der Stadt, Theaterpremiere dort, im Adler in Hausen, bei Papa  – so hat alles seinen Platz. Die Kinder waren freilich in beides involviert. Sie haben zum Glück eine gewisse Übung im Wechseln zwischen verschiedenen Betriebszuständen.

Doch auch sie waren durchaus aufgeregt. „Premiere“ ist ein Wort, dessen Wichtigkeit sie kennen. Premierenwochen stehen unter einem besonderen Stern. Und diesmal spielten sie beide mit, diesmal war es auch ihre Premiere. Die kleine Tochter, gerade sechs geworden, sollte zum ersten Mal auf der Bühne stehen.

Sie wussten nicht recht, was da auf sie zukam und hatten viele Fragen und Unklarheiten. Die konnte ich kaum beantworten und klären. Schon deshalb freute ich mich selbst auch auf den Besuch der Premiere. Nach dem Besuch eines Theaters ist man bisweilen ja tatsächlich schlauer. Und ich gebe zu, ich habe mich seinerzeit auch in das Flair des Adlers verliebt. Ein Haus wie eine Burg. Ein Haus, das auch schon Unfrieden erlebt hat, und dennoch Frieden und Behaglichkeit ausstrahlt. Ein guter Ort, sich wenigstens einen stattlichen Teil der Zumutungen der Welt von der Pelle zu halten.

Natürlich waren meine Kinder klasse! Auch wenn sie in ihrem zweiten Auftritt so gut wie den gesamten Text vergessen hatten. Vielmehr, eins hat vergessen und das andere sich dann nicht mehr getraut. Aber sie waren großartig. Ich weiß ja, was sie alles an Rollen drauf haben – Prinzessin, Superman, der ultimative Ninja, Mutter, Vater, Kind, Monster, Fee oder Fiesling. Hier sind sie zwei Wildfänge. Das passt.

Wild daher geht´s im Stück. Bei den Kleinen fallen Stühle um, bei den Großen Krüge und ganze Männer. Bäume sind Raufklettersachen, Dellen Ansichtssachen und Moral spontane Sachlagensachen. Das Verursacherprinzip wird frei Schnauze ausgelegt. Wer mit dem Auto gegen einen Baum knallt, verklage den Baum. Schwäbisch, hemdsärmelig und vertraut; dabei wähnt man solche Justizapparate in Schurkenstaaten. Naja. So ist das eben. Ist immer alles relativ.

Hier geht es ja nicht um Macht. Im Grunde geht´s auch im zerbrochnen Krug ums Lieben und Begehren. Und was wie sein darf und wie nicht. Da kommen kleinere Manipulationen und Verdreher schnell als gute Tat daher.

Witzig ist´s. Ein paar gute Gags hat er immer drauf, der Herr Papa, das muss man ihm lassen. Und den sich im Schlamassel windenden, nichtsdestotrotz gewitzten  Richter geben kann er auch. Und jetzt kann ich den Kindern erklären – woran es liegen könnte, dass ´Regina´ – (Regina Wisser) – die Mutter Marthe –  so unbedingt wissen muss, wer den Krug zerdeppert hat. Wo es ihr doch gar nicht um den Krug geht. Und weshalb Mucki – Michael Otto – als Schreiber so viel mehr aussieht wie ein Richter, als Papa, der doch der Richter ist. Und worüber die beiden sich streiten. Und was hat die Regina – Mutter Marthe – eigentlich gegen den Tobi – Tobias Otto – Ruprecht – wo der doch so nett ist. Und wieso schimpft der Papa-Richter so mit der Jessica (Madeja), der Magd? 

Ich weiß es jetzt. Ich bin im Bild. Und geh trotzdem nochmal hin. Kinder bejubeln, laut und frenetisch. Ich bin voreingenommen, absolut. Trotzdem – meine Begleiter*innen und ich hatten einen tollen Abend.  Ich kann´s also empfehlen:

Weitere Vorstellungen sind am 14. und am 21. März, sowie am 04. April. jeweils 20 Uhr, im Adler in Hausen.

2 Gedanken zu “Bäume sind Raufklettersachen

  1. Stadtschreiberin März 5, 2020 / 1:58 pm

    „Wer mit dem Auto gegen einen Baum knallt, verklage den Baum.“ Was für ein treffender Satz, den ich mir merke! Im „Zerbrochenen Krug“ wird ja gelogen, Wahrheit verdreht, gepetzt und Schuld zugewiesen. So wie die („erwachsenen“) Menschen mit der Klimakatastrophe umgehen: Wer die Erde so sehr aufgeheizt hat, dass ihm das Wasser bis an den Hals steht, der verklage die Meere. Gerne werden ja auch die Stürme verklagt, zur Zeit „Sabine“. So lese ich auf Südkurier.de anlässlich eines abgedeckten Dachs in Hammereisenbach: „Wie der Sturm Sabine einen Sportverein jetzt in Geldnöte bringt.“ Hat „Sabine“ das etwa mit Absicht gemacht? Der Kölner „Express“ titelte am Tag vor dem Sturm: „Angst vor Sabine!“ Die NRWler sind da nicht weniger beschränkt als die Baden-Württemberger. Ich bin froh, dass ich nicht „Sabine“ heiße… Wilde, noch unbefangene Kinder, die ohne Hintergedanken Quatsch machen und Stühle umkippen, schöne Regie-Idee.

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    • rottweilistueberall März 5, 2020 / 4:43 pm

      Das fand ich auch und das fast ganz unvoreingenommen. 🙂

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