Zwanzig Prozent nochmal

Oder auch ein bisschen mehr. Über zwanzig Prozent hat die AfD in Thüringen. Zur Regierungsbildung und – beteiligung wenigstens reicht es nicht. Und doch brüstet sich manch einer in der AfD, man sei jetzt eine Volkspartei und bürgerlich. Und also verlangt man Einfluss.

Nein, nein und nochmal nein!

Vielleicht streichen wir endlich mal dieses blöde ´Volks-´ aus Partei. Es gibt Parteien, und fertig und aus. Und keine behauptet von sich, und auch kein anderer, es stecke da irgendwie ein Volk darin.

Und auch das ´bürgerlich´ lassen wir nicht gelten. Die AfD ist nicht bürgerlich!

Bürger waren einst Bewohner in den Städten, die weder adelig noch leibeigen waren, die frei und zum Teil gut gebildet waren, die sich zusammentaten und ihre Geschicke, zumindest soweit irgendwelche Könige das zuließen, selbstverantwortlich bestimmten – und die deshalb  Vernunft und Selbstkontrolle walten lassen mussten. Ich stelle mir vor, man musste schon aufpassen, welchen Gelüsten und Emotionen man freien Lauf ließ, sonst wendeten sich die verschiedenen Machtsphären und Einflüsse gegen einen und man stand abseits – mit all den Strafen, die jene Zeiten so zu bieten hatten. Wären Stadtobrigkeiten wüst agitierend und Pöbel aufstachelnd durch die Gassen gezogen – ich gehe sehr davon aus, sie hätten ihren bürgerlichen Status und mit diesem sämtliche Freiheiten und Privilegien im Nu verloren.

Der Begriff ´Bürger´ ist heute zum Glück weiter gefasst. Der Adel sitzt zwar nach wie vor fest im Sattel auf hohem Ross, aber es gibt keine Leibeigenschaft mehr, und ob Stadt oder Land – alle genießen dieselben Bürgerrechte. Und die werden auch nicht entzogen, die sind Recht, nicht Leihgabe. Das bedeutet aber nicht, dass mit dem Begriff nicht nach wie vor ähnliche Tugenden verbunden werden. Wer hetzt und Feindseligkeit sät, handelt nicht argumentativ und vernünftig und nicht sozial verbindend – und ist darum nicht ´bürgerlich´. 

Es gibt auch gemäßigte Mitglieder in der AfD. Ohne Frage. Aber sie haben keine Macht. Die Partei folgt den Hetzern.

Besonders absurd ist die In-Anspruchnahme des Begriffs ´bürgerlich´ einiger AfD-Funktionäre für sich selbst, wenn man betrachtet, dass eben diese auch Mitglieder in neonazistischen und faschistischen Organisationen sind oder waren.

Die AfD ist rechtsextrem. Extrem. Und auch mit diesem Begriff gilt es vorsichtig zu sein. Wenn ein CDU-Mann den Tag dieser Wahl als schlimm für die Demokratie im Land bezeichnet, weil über 50% in Thüringen ´extrem´ gewählt hätten, wirft er rechts und links in einen Topf, die AfD mit der Linken. Und auch da besteht ein großer Unterschied. Man mag die Positionen der Linken nicht teilen und keine Kompromisse, die koalitionsfähig wären, mit ihr sehen – extrem ist sie nicht. Sie argumentiert vernünftig und angemessen und regiert, wo sie (mit-)regiert, verfassungsgemäß; sie stachelt nicht auf zum Umsturz, und sie schürt nicht Unfrieden.

Wer die Begriffe verwischt, macht sie missbräuchlich und öffnet Türen, die er nicht öffnen will.

Das mag ein bisschen ein Elend in der CDU sein. Man ist so auf das Feindbild ´links´ fixiert, dass man auf dem rechten Auge blind ist. Ein bisschen blöd im Sinn von blöd darf ich das finden.

Ein Gedanke zu “Zwanzig Prozent nochmal

  1. hraban57 November 5, 2019 / 7:26 am

    Sehr gut, die Betonung, daß Die Linke vieles sei, aber mitnichten extrem. Genau darin liegt der Unterschied zu den tatsächlich vorhandenen Rechtsextremen. Obwohl es auch leider Linksextreme gibt, punktuell, nicht mit der Partei Die Linke verbunden, um das mal ebenso zu erwähnen (immer noch kommunistisch-anarchistische Strömungen). Genau deshalb ist eine exakte Definition wichtg, um jene Verallgemeinerung auszuschließen.

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