Luxusprobleme

Ich gehe gerne in die Sauna. Mir gefällt, wie ich dort nicht das Geringste dafür tun muss, um mich etwas freizumachen vom Gewicht des daily business. Wie beim Sport schwitzt sich das eine oder andere einfach zwischen die Rippen raus, und wie bei diesem kommt das Blut in Wallung, allerdings ohne, dass ich mich dafür anstrengen muss. Und dann der Wechsel vom Heiß zum Kalt – absolut shocking! Aber herrlich. Solche Schocks kann man sich gefallen lassen.  

Zwischen zwei Gängen ins Außensolebecken, vorzugsweise an einem  frühen Winterabend.  Wenn dann helle Schwaden in den nachtschwarzen Himmel aufsteigen, und ich im warmen Sprudel liege, den Kopf auf der Umrandung, und ihnen nachblicke, wie sie sich im Dunkel verlieren, und da ist nicht mehr als das Wasser, der Himmel und ich … dann ist das Luxus! Luxus pur.

Ich mag überhaupt gerne Wasser. Es umfängt vollkommen, lässt nichts unberührt,  und leichtgewichtig lässt es einen schweben. Wenn ich mich flach auf den Rücken lege, muss ich nur hin und wieder leicht mit Händen und Füßen wedeln, und das Wasser trägt mich, und weil auch die Ohren unter Wasser liegen, höre ich das eigene Blut in den Adern rauschen und das Herz klopfen, und das übrige Leben bleibt gedämpft wie hinter einer dicken Scheibe.

Darum gehe ich auch gerne ins Freibad. Auch dies ein Luxus – so ein Freibad in Fußmarschnähe.

Ich heize mit Gas und dusche heiß, und der Strom kommt aus der Steckdose und fließt in manchen Stunden üppig. Ich bin von daher treue Kundin der EnRW und ihr wohlgesinnt.

Das ist ein Verhältnis, das auf Dauer angelegt ist – mein Energieversorger und ich, innig wie Feder und Nut.  

Da kommt man bisweilen um ein offenes Wort nicht drum herum.

Es gab in jüngster Vergangenheit zwei Mal Anlass für  – mmh –  ich will mal sagen –  ´Verbesserungsvorschläge´:

An einem freibadtauglichen Tag Mitte September – die Ferien waren vorbei und die Woche wieder voll und kurz – wollten wir ein allerletztes Mal gehen, und weil es nach Schule, Kindergarten und Job immer ein bisschen gedrängt dahergeht, und sowieso zur Feier des Tages, hatte ich den Kindern ein Abendessen im Freibad versprochen – Pommes, Burger, so in dem Stil.

Um vier waren wir dort, um fünf, dachte ich, ich frag mal an, wie lange es etwas gibt. Da war grade der Rollladen bei der Speiseausgabe runtergegangen; ´kann nicht sein´, dachte ich, das muss was anderes zu bedeuten haben.  

Nein, es gäbe nur noch Getränke.

„Aber Sie haben doch auf bis 20Uhr?“

Ja, das schon, aber es sei zu wenig los – Essen gibt´s keines mehr.

Versteh ich nicht! Ein Angebot ist ein Angebot, auch wenn es grade wenig beansprucht wird. Ein Laden macht ja auch nicht mir-nichts-dir-nichts zu, wenn grad kein Kunde da ist. Und ein Restaurant schließt auch nicht zur Essenszeit, selbst wenn kein Gast da ist.

Irgendwann, wenn Kunden bzw. Gäste gänzlich und dauerhaft ausbleiben, ja – dann so ganz – und dann weiß jeder, da gibt es nichts mehr. Aber so ein Zumachen nach Gutdünken und Lust und Laune – das ist irgendwie blöd. Auch ein Imbiss sollte, wenn er sein Versprechen halten will, zuverlässig sein.  Finde ich.

Und dann also jetzt in der Sauna im wiedereröffneten aquasol.

Die Woche war so voll, dass ich jeden Tag das Gefühl hatte, nicht durchzukommen.  Die Liste war zu lang geraten, zweifellos.  Man kann sich auch selbst stressen.

Überdies kann ich mich bisweilen nur schwer freimachen von diesem allgegenwärtigen Gefühl des permanenten Ausnahmezustandes. Die Welt ist in Aufruhr, und ich bin es auch. Das kann mir schon mal Schlaf und Nerven rauben.

Aber ob selbst verursacht oder nicht – die Energie war weitestgehend alle, und also fiel die Wahl zwischen Spaziergang und Sauna zugunsten dieser aus.

Ich hatte bis vor den Ferien noch eine Zehnerkarte, die mir mal geschenkt geworden war. Die war jetzt aber abgeschwitzt. Ich packte also unseren  Familienpass ein. Damit gibt es auch 10% Ermäßigung. Immerhin. Dachte ich. Bis ich an der Kasse verstand, dass das nicht für die Sauna gilt, sondern nur für den Bade – und Schwimmbereich.

Auch das finde ich blöd.

Verstehe ich auch nicht. Als ob Sauna eine Art Luxus vorrangig für rabattunempfindliche, dickere Geldbeutel wäre. Oder weshalb sonst hat man Sauna als nachlassbefreites Extra definiert.

Ich meine, klar ist das Luxus, Luxus pur. Aber eben darum geht es doch bei all diesen Vergünstigungen und Rabatten und Familiennachlässen und – pässen und  Anträgen auf Teilhabe und all so was – ums Teilhaben, damit alle am Luxus teilhaben können. Weshalb nicht auch an Sauna?  Wo ja dieses Arm-Reich-Ding, solange es nicht in die Extreme ausartet, ziemlich relativ ist, weswegen die Armutsgrenze sich nicht an reinen Notwendigkeiten bemisst, sondern  am Anteil des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens und also am Lebensstandard des betreffenden Landes. Gilt das für Sauna nicht?

Es hilft alles nichts. Ich will in die Sauna, und wenn es denn sein muss, zahle ich halt den vollen Preis. Aber ich stelle so insgeheim fest, dass völlig unbeschwert mit der nicht ganz fairen Tatsache umgegangen wird, dass anteilsmäßig die mit weniger mehr bezahlen als die mit mehr.

Deshalb werde ich nicht abtrünnig und bleiben die EnRW und ich einander innig verbunden, und auch Sauna und Bäder will ich weiterhin gerne besuchen. Zumindest habe ich für meinen Teil das vor.

Aber ein offenes Wort muss mal drinliegen.

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