Vom rechten Wunsch, geliebt zu werden

Sehr geehrter Herr Sänze,

vor ein paar Tagen habe ich in der Zeitung gelesen, in der AfD regt man sich auf, weil Theaterhäuser Geld dafür bekommen, dass sie eine politische Haltung – in diesem Fall eben eine Ihnen und der AfD eigene – kritisch darstellen. Konkret ging es um das hiesige Zimmertheater, ich weiß nicht, ob Ihre Kritik auch andere Häuser betrifft. Macht auch keinen Unterschied. Theaterhäuser  bekommen  Geld wohlgemerkt nicht ´dafür´. Dem Geld – und denen, die es verteilen –  geht es nicht um Sie, sondern ums Fördern des Darstellens an sich, weil  jede Kunst, so wie ich das verstehe, etwas abbildet, sei es in Ton oder Farbe, Bewegung oder Skulptur – ein Kunstschaffender drückt aus, was ihn umtreibt.  Ich weiß nun nichts über den ´Innovationsfonds Kunst´, aber es steckt ja im Wort drin – wenn einer eine gute Idee hat, für die ihm die Mittel fehlen, dann kann er da was bekommen.

Damit tun Sie sich schwer – zumindest dann, wenn Sie sich negativ dargestellt fühlen.

Das kann einem leidtun, das ist sicher bitter. Aber es ist auch kein anderer dafür zuständig als Sie selbst.

Dass Sie´s mit der Freiheit der Kunst nicht so haben, ist nicht neu. Ihr Verlangen nach Offenlegung, wer auf den Bühnen im Land einen deutschen Pass besitzt, konnte man – Sie verzeihen bitte – schon echt ekelhaft finden. Und es zeugt auch nicht wenig von einem Fehlen von Freude und des Verständnisses dafür, was Kunst mitunter ausmacht – ihr verbindendes Wesen. Komponisten können ein Universum erschließen, Autoren fremde Welten eröffnen, Schauspieler ein Gefühl besser darstellen, als man selbst es je fühlen konnte. Woher der Mensch kommt, der das schafft, ist dabei piepschnurzegal, und wenn einer aus Mombasa in Helsinki verstanden wird, und einer aus Damaskus in Friedrichshafen, dann ist das doch ganz wunderbar.

Sie können das nicht sehen, und das ist das eigentlich Schlimme daran.

Das Geben von Geld davon abhängig zu machen, dass der Inhalt auch allen gleichermaßen gefällt – DAS wäre erst ein Eingriff in die Pflicht zur Neutralität. Die Geschmäcker sind verschieden.  Damit müssen wir alle leben.

Sie wünschen eine positive, Sie bewerbende Darstellung. Darauf gibt es keinen Anspruch. Wie es auch keinen Anspruch darauf gibt, gemocht zu werden.

Sie sind in einer Partei, die von Hetze und scharfer Rhetorik lebt. Wer am schärfsten schießt, kommt am weitesten, Besonnenheit bekommt weder Posten noch Stimmen. Es ist ein Elend dieser Tage, dass jede Auseinandersetzung sofort in Gegeifer mündet, und das ist nicht nur in der AfD so. Aber dort kultiviert man es. Bei Ihnen reden und agieren alle so aggressiv.

Ich will das nicht in meinem Leben haben, und viele andere auch nicht, und das ist legitim. Ich weiß es nicht, aber ich stelle mir vor, je mehr Leute sich dieser Rhetorik und Denke verweigern, desto schwerer fällt Krieg und Zerstörung. Und das ist nun etwas, was ich unbedingt vermeiden will.

Und es klingt alles nicht sehr konstruktiv, was da bei Ihnen und Ihren Parteigenossen rauskommt. Es klingt so rundum selbstgerecht und selbstsüchtig, „wirwirwirwir“ – wen immer dies ´wir´ auch umfasst, und wer immer dann ´die´ sind – ich weiß gar nicht, ob ich zu diesem ´wir´ gehören will. Es ist stets der Schrei nach dem eigenen Vorteil, immer das ´mehr´, in allem.

Das kann, darf, und ich würde sogar sagen sollte, ich übel finden. Das widerspricht so ziemlich allem, was ich mal gelernt habe übers friedliche, und gedeihliche Zusammenleben. Mein ´wir´ ist wohl ein anderes als Ihres.

Sie gefallen sich im Ausgrenzen. Okay. Ihre Wahl. Aber wer so hinausbrüllt, muss mit herbem Gegenwind rechnen. Sie mögen Ihre Fans finden, weit überwiegend vermutlich Leute, denen es auch um eigene Vorteile geht, weil die, die man hat, nicht ausreichen. Aber allgemeines Wohlwollen, gar Applaus, Schulterschluss oder Zuneigung – das kann man nicht einfordern. Die Allermeisten wollen solchem Poltern keinen Raum geben. Das ist alles, und es ist legitim, und ich will behaupten – zum Glück ist es so.

Man stimmt Ihnen nicht zu, man stellt sich dagegen. Sie bekommen wenig positive Darstellung. Da haben Sie Recht. Das ist so, und es ist Plan und Strategie. Eben weil sehr viele dieses Ihr Poltern nicht mögen und wollen.

Und das ist nicht Meinungsdiktatur! Sie können brüllen! Sie dürfen. Aber Sie dürfen nicht auf Abnicken und allgemeinen Zuspruch hoffen. Wenn das eigene Gebaren andere abstößt, dann wird man nicht eingeladen, und auf selbst ausgesprochene Einladungen bleiben Gäste weg. Und wo der eigene Name erwähnt wird, dann oft mit gerunzelter Stirn und wenigstens distanzierter Kühle in der Stimme. So ist das nunmal. Sie haben Ihre Fans, genießen aber beim Gros der Bevölkerung keine Sympathien. Und das ist nicht manipulierter oder sonstwie böser Wille, das ist nur logisch und konsequent. Wie man in den Wald hineinruft -. Sie mögen nur sich selbst und Ihresgleichen – und so mag man Sie andersherum, wer nicht Ihresgleichen ist, halt auch nicht. Und darüber dürfen und können Sie sich beleidigt fühlen. Aber das ist auch alles. Sie poltern und brüllen, und Andere wenden sich ab. Um Leib und Leben oder irgendwelche staatlichen Konsequenzen fürchten müssen Sie nicht. Sie leben nicht in einer Diktatur.

In der ´Zeit´ las ich von einer Buchhändlerin, die, seit sie sich zur AfD bekannt hat, wirtschaftliche Nachteile beklagt. Kunden blieben weg, Autoren auch, Türen gingen zu. Das tut mir natürlich Leid für die Frau, die mir als Buchhändlerin erstmal eher sympathisch ist. Die Buchhändlerin unterstellt staatlich gelenkte Sabotage, ein Unterdrücken wie sie es in der DDR erlebt hat. Aber man kann keinen zwingen, ein Lokal aufzusuchen, eine Buchhandlung, ein Theater. Ich selbst lese geliehene Bücher, ganz selten, dass ich mal eins kaufe, aber wenn, dann gehe auch ich lieber in eine Buchhandlung, deren Geist mir gefällt. Es gibt kein Recht, gemocht zu werden. 

Manche Türen gehen zu, obwohl man deutsch ist. Wir leben nicht in einem Land, in dem man deutsch sein muss, damit man offene Türen hat. Manche Türen gehen auch für andere auf, wir leben mit Leuten aus anderen Ländern. Das ist Basis im Staat, und das mit guten Gründen. Die Würde des Menschen und so. Man hat sie sich ganz oben auf die Flagge geschrieben, weil es davor so anders und so schrecklich war. Sie mögen diesen Teil der Geschichte nicht, Sie sähen ihn gerne anders. Ich auch. Aber es war, wie es war, und die Geschichte einfach zurechtbiegen zu wollen ist mehr als mies und schäbig. Deutschland hat beschlossen, ein international und global verankertes Land zu sein, der Welt und den Menschen freundlich zugewandt. Das gilt als Fundament, als Konsens. Das geht nicht immer so, wie es richtig wäre, aber das will man sein, und also geht nicht für 99% der Erde einfach die Türe zu.

Man kann über Details reden, wer-wie-woher-wohin-wie lang-und-was überhaupt. Aber solches Reden über Details geht anders. Man hebt nicht die Waffen, schreit „Krieg!“ und verhandelt dann über Visa.

So sehe ich das; so, meine ich, läuft der Hase. Und darüber können Sie beleidigt sein und es sich anders wünschen. Aber Sie können nicht einklagen, weil es nicht die Gesetzte gibt dafür, und die Gesetze gibt es nicht, weil es nicht das Land ist, das Sie sich wünschen. Es ist auch nicht das, das ich mir wünsche. Aber ich erkenne es in seinem Prinzip an, und das wäre als zugelassene Partei auch an Ihnen. Das Land, der Staat, richtet sich nicht nach Ihren Befindlichkeiten. Und das ist auch nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, dem Zusammenleben sehr vieler verschiedener Menschen einen funktionierenden Rahmen zu geben.

Vor dem Gesetz sind alle gleich, es darf keinen Unterschied machen, ob Sie rechts oder links oder upside down stehen. Aber es darf einen Unterschied machen, wie man wahrgenommen und dargestellt wird und wohin man eingeladen wird.

Ich habe kein Bild, keine Vorstellung von Ihnen. Ich habe auch nicht gegoogelt oder irgendwelche social-media-Seiten gestalkt. Ich weiß nicht, wie Sie aussehen, was Sie sonst so machen und schon gemacht haben. Sie leben in Sulz. Soviel weiß ich. Vielleicht würde ich Sie, wenn man auf einem Stadtfest ebenda zufällig nebeneinander stünde, ganz nett finden, wenn man ins Gespräch käme und sich unterhielte über den letzten Urlaub, die Familie, den Job, Schule oder Fronleichnamsmärsche – (ich weiß nicht, wie hoch die Chance ist, dass es so wäre, aber ich will es immerhin nicht ausschließen) – wahrscheinlich würde ich Sie als ´anders unterwegs´ empfinden, aber das entscheidet ja erstmal nicht über Sym- und Antipathie. Wenn die Rede auf Ihre Parteimitgliedschaft und politische Haltung käme, würde es allerdings und wenigstens schwierig.  Argumentationen und andere Blickwinkel verlange ich mir ab auszuhalten, beim Pöbeln hört es auf, (Definition gegoogelt: pöbeln = jemanden in der Öffentlichkeit durch freche, beleidigende Äußerungen provozieren).

Ich und mit mir ein starkes Dreiviertel der Bevölkerung kann und will Ihr Hetzen und Poltern einfach nicht leiden. Und das schlägt sich nieder in Theaterstücken, in Zeitungsartikeln, in Liedern, in Blogbeiträgen, im Bucheinkauf und in vielem anderen. Damit müssen Sie leben. Oder aufhören so zu poltern.

Mit freundlichen Grüßen

Beate Kalmbach

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