Knick es

Ein Hüttenwochenende an Pfingsten,  samt Kindergeburtstag und Disco.

Die Diskokugel ist kaputt, ich pack stattdessen Knicklichter ein, drei Päckchen. Die kommen immer gut an und machen auch eine tolle Lichtshow.

Und so kommt es – eine Menge Kinder haben eine Menge Spaß damit, und das ziemlich lang. Zugegeben, auch Streit, „wieso hat der drei, ich nur zwei?“ , „ich will aber ROSA!“  oder „das war meines!!“  Der Streit vergeht wieder. Und ich pack die Stäbchen weg. 

Und dann gibt es nochmal Streit.  Wie ich so einen Mist kaufen  und gleichzeitig Texte übertitelt mit  ´Friday for future´ schreiben kann. Ich gebe zu, ich fühlte mich nicht wenig angegangen.

Es hatten so viele Kinder Freude. Und wir behalten die immer als Bauset.  Die lassen sich auch ohne Leuchten an – und auseinanderstöpseln. An Gruschd, der so durch die Bude wandert, ist dies noch lange nicht der Bescheuertste

Ich strenge mich ja an: wir kaufen second hand, budgetbedingt, aber auch aus Überzeugung. Wir essen wenig Fleisch und Wurst und wenn dann Bio, wir benutzen Rad und öffentliche Verkehrsmittel,  soweit praktikabel, ansonsten leihen wir ein Auto aus, was selten geschieht.  Wir heizen nicht zum Fenster raus und trennen den Müll. Derzeit versuche ich von Plaste auf Glas umzusteigen, Mehrweg statt Wegwerf; aktuell wird das geeignete Behältnis für den Kindergartenjoghurt ausprobiert und  diskutiert.

Die Kinder haben zu viel dennoch; viel zu viel Zeug.  Das seh ich auch, und „ich will“ wird oft befriedigt, auch bei Gruschd. Aber wir Großen gönnen uns auch Gruschd  – irgendwelches Dekozeug, Lichter, Schmuck und Firlefanz. Sachen, die man nicht notwendig braucht. Jeder von uns hat das. Sollen wir uns jetzt jedes einzelne Ding vorrechnen?

Dabei können die Kinder sich bescheiden, meine. Durchaus.  Das haben sie drauf. Sie wissen, es gibt Sachen und Veranstaltungen, die sie nicht haben können. Und das geht in Ordnung.

Dennoch sollen sie sollen nicht aufwachsen mit Schwere und Verzicht, sondern mit einem freudigen ´ich will´ – mit Vernunft,  ja.

Was in der Welt ist, was man sieht, muss man auch wollen dürfen. Ein kategorisches ´Nein´ allem gegenüber, was mir nicht ins Konzept passt, scheint auch in dieser Hinsicht wenig hilfreich.

Sie verstehen zunehmend Zusammenhänge und Bilder, besser als ich in ihrem Alter. Ich war acht Jahre alt bei Ende der chinesischen Kulturrevolution, und  neun im ´deutschen Herbst´. Ich hab die Bilder keinen Pfennig verstanden. Sie sind fünf und sieben. Sie wissen, es gibt  ´Krieg´ und ´Flucht´ und ´Klima´ und Umweltverschmutzung, die bei meinen Kindern Weltverschmutzung heißt, was ich auch gut finde. Sie kennen all das und öffnen sich den Gedanken

Herrje. an den Stäbchen geht die Welt jetzt nicht zugrunde.

An Leuten die zu viel Schwere und Furcht im Herzen tragen, schon eher.

Wer hat das gesagt? – „Es muss nicht JEDER ALLES richtig machen. Jeder etwas.

Wir sind dran.

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